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Aktualisiert am 13.10.2018

Augen und Diabetes

Sehstörungen zählen zu den diabetischen Spätfolgen und gleichzeitig zu den häufigsten Ursachen für Erblindungen im Erwachsenenalter. Jährlich kommt es in Österreich zu rund 200 Erblindungen, die auf Diabetes zurückzuführen sind.

Wie alle anderen Komplikationen bei Diabetes, lassen sich Augenerkrankungen und Sehstörungen vermeiden. Voraussetzung dafür ist, dass der Blutzucker gut eingestellt ist und alle notwendigen Kontrolluntersuchungen regelmäßig durchgeführt werden.

Zu welchen Problemen kann es kommen?

Diabetische Retinopathie

Die diabetische Retinopathie ist eine Erkrankung der Netzhaut (Retina), die durch erhöhte Blutzuckerwerte verursacht wird. Dabei werden die kleinsten Gefäße der Netzhaut, die sogenannten Kapillaren, in einer für Diabetes spezifischen Weise verändert. Die Kapillaren sind im Normalfall für die Versorgung der Netzhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen zuständig. Bei schlecht eingestelltem Diabetes verdicken die Kapillarwände immer mehr und bilden traubenähnliche Aussackungen (=Mikroaneurysmen) aus. Die Verdickungen führen zu Durchblutungsstörungen und zu einer verschlechterten Versorgung der Netzhaut; außerdem sind die Aussackungen instabil und bluten häufig.

Die oben beschriebenen Krankheitsprozesse sind das Anfangsstadium der diabetischen Retinopathie. In vielen Fällen laufen sie unbemerkt ab, weil sie meist noch keine Sehbeeinträchtigung verursachen.

Im weiteren Verlauf führen Blutungen der Netzhaut dazu, dass sich neue Gefäße ausbilden – quasi als Ausgleichsreaktion des Körpers. Diese neuen Gefäße weisen nicht mehr die Stabilität der ursprünglichen Gefäße auf, bluten sehr häufig, wachsen in die Blutungen hinein und trüben den Glaskörper des Auges, was zu einer Glaskörpereinblutung führen kann. Zusätzlich sind die neuen Gefäße instabil, werden leicht undicht und wachsen willkürlich in verschiedene Richtungen. Schließlich können sich auch Gewebsstränge ausbilden, die an der Netzhaut (Retina) ziehen und eine Netzhautablösung bewirken können. Oftmals kommt es auch zu Flüssigkeitsansammlungen (Ödemen) in der Makula, dem Ort des schärfsten Sehens im Auge. Sofern diese Prozesse nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden, droht akute Erblindungsgefahr!

Grauer Star (Katarakt)

Beim Grauen Star, auch bekannt als Katarakt, kommt es zu einer Trübung der Augenlinse. Häufige Ursache ist ein schlecht eingestellter Diabetes, aber auch ionisierende Strahlung zählen zu den begünstigen Faktoren des Grauen Stars.

Was passiert beim Grauen Star? Beim diabetisch bedingten Grauen Star kommt es zu hohen Vorkommen von Glukose (Traubenzucker), die durch körperinterne Stoffwechselvorgänge (Polyol-Stoffwechsel) zu Fruktose (Fruchtzucker) und Sorbit umgewandelt werden. Fruktose und Sorbit reichern sich dadurch an und lösen veränderte osmotische Verhältnisse aus: es kommt zu einem osmotischen Nachstrom von Wasser und Natrium, was einen Ausstrom von Kalium aus der Zelle über die Membran zur Folge hat. Dadurch entstehen Elektrolytverschiebungen und Störungen der Membrandurchlässigkeit. Die Folge: das Zellinnere verarmt an Aminosäuren, Proteinen, Glutathtion und ATP. Bei einer nachhaltigen Störung der Osmoregulation der Zelle kommt es zu einer Quellung der Linsenproteine, was eine Änderung der Lichtbrechung verursacht: es besteht das Krankheitsbild Katarakt samt seiner typischen Smyptomatik. 

Grüner Star (Glaukom)

Der Grüne Star ist die Folge eines erhöhten Augeninnendrucks, der mehrere Entstehungsursachen haben kann. Ein möglicher Entstehungsgrund ist ein chronisch erhöhter Blutzucker als Folge eines nicht zufriedenstellend eingestellten Diabetes.

Was passiert beim Grünen Star? Das Auge enthält zwei Augenkammern: die vordere Augenkammer zwischen äußerer Hornhaut und Regenbogenhaut (Iris) sowie die hintere Augenkammer von der Hinterseite der Iris bis zur Linse. Beide Augenkammern sind mit Kammerwasser gefüllt, damit Hornhaut und Linse mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt sind. Das ist wichtig, weil sowohl Hornhaut als auch Linse nicht mit Blutgefäßen verbunden sind und ansonsten von der körperinternen Nährstoffversorgung abgeschnitten wären. Das Kammerwasser wird im Ziliarkörper permanent gebildet, der gleichzeitig als Halteapparat der Linse dient, und durch kleine Spalten in den Schlemm´schen Kanal weiter in die Blutbahn abfließt. Entsteht in diesem Bereich eine Behinderung des Abflusses und kommt es zu einem Rückstau des Kammerwassers, geht das mit einer Erhöhung des Augendrucks einher: es entsteht das Krankheitsbild des Grüner Stars.

Spürt man etwas?

Am Anfang spürt man lange nichts und auch beginnende Sehstörungen werden viel zu selten mit einer diabetischen Augenschädigung in Verbindung gebracht.

Was kann man selbst tun?

Vorbeugend ist eine zufriedenstellende Blutzuckereinstellung von Bedeutung, sowie ein gut eingestellter Blutdruck. Nachdem Störungen anfänglich kaum wahrgenommen werden, ist die jährliche Augenarztkontrolle von enormer Wichtigkeit.

Gibt es besondere Risikofaktoren?

Der wichtigste Risikofaktor für das Entstehen und Fortschreiten einer Diabetischen Retinopathie ist ein chronisch überhöhter Blutzucker. Weitere Risikofaktoren sind:

  • Bluthochdruck
  • Fettstoffwechselstörungen (z.B. hohes Cholesterin, hohe Triglyzeride)
  • Abrupte Absenkung des Langzeitzuckers HbA1C durch eine optimierte Therapie (z.B. durch Beginn einer intensivierten Insulintherapie, Umstellung von oralen Antidiabetika auf Insulin
  • Hormonelle Faktoren (z.B. Pubertät, Schwangerschaft)

Was kann der Augenarzt tun?

Zu den Basisuntersuchungen/-behandlungen zählen die bestmögliche Feststellung des Visus, die Messung des Augendrucks sowie die Begutachtung des vorderen und hinteren Augenabschnitts. Mittels diagnostischer Verfahren wird es möglich, Netzhautödeme, Mirkoaneurysmen bzw. Mikroblutungen ausfindig zu machen und mittels Laser- und Injektionstherapie zu behandeln. Dabei werden wachstumshemmende Substanzen gespritzt, die die Bildung neuer Blutgefäße und die Ödembildung reduzieren.

Die augenärztliche Kontrolle sollte mindestens 1 Mal pro Jahr erfolgen. Bei bereits bestehenden Problemen erhöht sich die Anzahl der notwendigen augenärztlichen Kontrolluntersuchungen je nach Diagnose und Krankheitsstadium.

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