Diabetes

Warum weniger Stress den Therapieerfolg bei Diabetes erhöht

Aktualisiert am 09.08.2020

Warum weniger Stress den Therapieerfolg bei Diabetes erhöht

Zu viel ungesunder Stress ist ein Problem bei Diabetes. Der Grund ist, weil ungesunder Stress das Erreichen der Therapieziele erschwert. Ungesunder Stress setzt die Wirksamkeit von Medikamenten herab, verschlechtert den Therapieerfolg und erhöht das Risiko für diabetische Folgeschäden.

Warum ist Stress bei Diabetes ein Problem?

Stress versetzt den Körper in einen Zustand erhöhter Alarmbereitschaft, was mit bestimmten Prozessen im Körper einhergeht.

Die gute Nachricht zuerst: Stress ist nicht immer ein Problem. Ein Beispiel: Stress ist als körperliche Ausnahmesituation sinnvoll wenn zum Beispiel Gefahr droht, die Flucht oder Verteidigung erforderlich machen. Um diese Situation bestmöglich bewältigen sowie möglichst schnell handeln zu können, reagiert der Körper nach einem bewährten Prinzip: es kommt zur Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin sowie Cortisol und Endorphinen. Die körperliche Sresssituaton beginnt…

Die schlechte Nachricht: die permanente Ausschüttung von Stresshormonen bei Dauerstress ist problematisch bei Diabetes. Denn das Erreichen der Therapieziele wird erschwert.

Was machen Stresshormone?

Stress erhöht Blutzucker und Blutfette

Eine stressige Belastungssituation erfordert zusätzliche Energie. Daher reagiert der Körper bei Stress mit der Ausschüttung von Stresshormonen und der Bereitstellung körpereigener Energiereserven. Diese erhält er durch Anzapfen seiner Kohlenhydrat- und Fettspeicher. Die Folge: die Werte für Blutzucker und Blutfette (Cholesterin und Triglyzeride) im Blut steigen stressbedingt an.

Stress erhöht Blutdruck und Pulsschlag

Eine Stresssituation erhöht den Sauerstoffbedarf des Körpers. Um den erhöhten Sauerstoffbedarf zu decken, werden Blutdruck und Pulsschlag erhöht. Der Grund ist, weil für mehr Sauerstoff das Blut schneller zirkulieren muss. Die Folge: Blutdruck und Pulsschlag steigen stressbedingt an.

Stress fördert Übergewicht

Ein stressbedingt erhöhter Blutzuckerspiegel lässt Insulin frei werden. Je mehr Insulin im Blut vorhanden ist, desto mehr Fett wird wieder eingelagert, wenn es nicht verbraucht wird. Zudem zeigen Studien, dass das Stresshormon Kortisol am Fettstoffwechsel beteilgt ist – je mehr Kortisol vorhanden ist desto mehr Fett wird eingeagert. Das fördert Gewichtszunahme und Übergewicht.


2 Seiten der Medaille bei Stress…
Der Körper ist bei hoher Stressbelastung für die Extremsituation optimal gewappnet. Alle Voraussetzungen sind gegeben, um so effizient wie möglich handeln zu können. Die Kehrseite zeigt sich, wenn die Extremsituation und in Folge die körperliche Belastung ausbleiben, und die mobilisierten Nährstoffe ungenützt bleiben. Dadurch entsteht auf Dauer ein Ungleichgewicht, das sich auf den Erfolg der diabetischen Therapie negativ auswirken kann.


Weniger Stress senkt Cholesterin, Triglyzeride und Blutdruck

Der Umkehrschluss ist, dass weniger Stress wichtige Gesundheitsparameter wie Blutzucker, aber auch Cholesterin, Triglyzeride und Blutdruck sowie Gewicht verbessern kann.

Je geringer die chronische Stressbelastung, desto gesünder werden Sie mit Diabetes!

Tipp! Versuchen Sie zwischen positivem und negativem Stress unterscheiden!

Was ist gesunder und was ist ungesunder Stess?

Gesunder Stress ist ein kurzer und nicht zu aufwühlender Zustand, um eine Situation oder Aufgabe gut meistern zu können. Das kann zum Beispiel eine besondere Herausforderung in der Arbeit oder Schule sein. Gesunder Stress lässt aber auch wieder nach und geht im Idealfall auch mit einem Erfolgserlebnis her.

Alles was jedoch überfordert und nicht mehr bewältigbar ist, wird zu ungesunden Stress; etwa wenn permanent Höchstleistungen ohne Pausen verlangt werden, für die ein hohes Maß an körperlicher und/oder emotionaler Energie nötig sind. Gleiches gilt für heftige, negative und emotional zehrende Gefühlszustände.

Hier kann das Überdenken von Prioritäten helfen, sich auf die tatsächlich wichtigen Dinge im Leben zu besinnen um emotional über jenen Dingen zu stehen, die es nicht verdienen überbewertet zu werden.

Körper und Seele bilden eine Einheit! Ein harmonisches Gleichgewicht ist bei Diabetes besonders wichtig!

Was hilft gegen Stress?

  • Nützen Sie Entspannungstechniken: z.B. Yoga, Autogenes Training, Meditation helfen mehr Entspannung und Balance zu finden
  • Entstressen Sie sich durch moderate Bewegung: angepasste Bewegung setzt Glückshormone frei und lässt nach der Bewegung oft entspannter und ruhiger sein
  • Überdenken Sie alle Stressfaktoren – auch jene, die nicht offensichtlich ablaufen könnten und versuchen Sie zwischen änderbaren und nicht änderbaren Stressfaktoren zu unterscheiden
  • Versuchen Sie änderbare Stressfaktoren zu ändern: Lassen Sie sich bei Bedarf von Profis unterstüzen (z.B. bei privaten Problemen, berurflicher Überbelastung, emotionaler Überanstrengung,…)
  • Versuchen Sie nicht änderbare Stressfaktoren abzuschwächen: machen Sie sich immer wieder bewusst, was hoher und chronischer Stress im Körper auslöst –> Versuchen Sie ihren emotionalen Stresspegel erst gar nicht so hoch ansteigen zu lassen indem Sie so ruhig wie möglich bleiben
  • Schalten Sie durch Aktivitäten ab, die Ihnen nachweislich gut tun (z.B. ein tolles Buch lesen, in eine Austellung gehen, ins Theater gehen, einen bewussten Spaziergang machen)
  • Versuchen Sie Aufgaben an Fachpersonal zu übertragen, wenn die Stressbelastung für Sie zu groß wird
  • Gönnen Sie sich immer wieder Zeit zum Kraft tanken, damit Sie zukünftige Aufgaben besser bewältigen können

Vieles ist möglich, um dem Sog der chronischen Stressspirale zu entkommen und bessere Balance und schließlich bessere Gesundheitswerte zu erreichen.

Hören Sie auf Ihren Körper, tun Sie sich regelmäßig etwas Gutes, holen Sie sich Unterstützung und sorgen Sie immer wieder für aktive Entstressung!

Ein gutes Leben mit Diabetes ist möglich!


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