Ernährung

Ballaststoffe und Diabetes

Aktualisiert am 27.07.2018

Ballaststoffe und Diabetes

Ballaststoffe zählen zu den unverdaulichen Bestandteilen der Kohlenhydrate und sind dafür bekannt, die Verdauung in Schwung zu halten. Ballaststoffe erfüllen aber noch weitere wichtige Aufgaben, die auch in Bezug auf Diabetes von Bedeutung sind. Denn sie können eine erfolgreiche Blutzuckerregulation  unterstützen und das Folgeerkrankungsrisiko senken.

Unterteilung der Ballaststoffe

Ballaststoffe lassen sich nach ihrem Wasserbindungsverhalten in lösliche und unlösliche Ballaststoffe unterscheiden. Dementsprechend unterscheiden sie sich auch ihrer Wirkweise.

Lösliche Ballaststoffe = Quellstoffe

  • Meeresalgenextrakte wie Alginsäure, Agar, Carrageen
  • Pflanzenextrakte wie Pektin
  • Samenschleime wie Johannisbrotkernmehl, Guarkernmehl und Leinsamenschleim

Beispiel: 1 g Pektin bindet 60 g Wasser.

Unlösliche Ballaststoffe = Füllstoffe

  • Zellulose
  • Hemizellulose
  • Lignin

Beispiel: 1 g Zellulose bindet 3 g Wasser.

Resistente Stärke

Resistente Stärke nimmt unter den Ballaststoffen eine Sonderstellung ein. Dabei handelt es sich um jenen Teil der Stärke, der von den kohlenhydratspaltenden Enzymen (Amylasen) nicht aufgespalten werden kann und daher unverändert in den Dickdarm gelangt.

Aufgaben der Ballaststoffe

Anregung der Verdauung

Ballaststoffe haben aufgrund ihr Füll- und Quelleigenschaften die Fähigkeit sich auszudehnen, auf die Darmwand zu drücken und dadurch die Darmmuskulatur anzuregen. Je aktiver die Darmperistaltik arbeitet, desto besser funktioniert die Verdauung! Eine gute Verdauung ist Voraussetzung, damit alle wichtigen Nährstoffe aus der Nahrung aufgenommen und alle Stoffwechselendprodukte sowie Giftstoffe schnellstmöglich ausgeschieden werden.

Anregung der Speichelsekretion

Die hohe Faserstruktur erfordert längeres Kauen, was die Speichelbildung anregt und die Bikarbonatkonzentration im Speichel erhöht. Auf diese Weise werden die Zähne stärker mit Bikarbonat umspült und Kariesbakterien besser neutralisiert. Im Speichel befinden sich auch kohlenhydratabbauende Enzyme, sogenannte Amylasen, die an der Blutzuckerregulation beteiligt sind.

Förderung des Sättigungsgefühls

Ballaststoffe vergrößern ihr Volumen bereits im Magen. Je größer der Mageninhalt, desto schneller werden Dehnungsreize aktiviert, die das Sättigungsgefühl einleiten. Schließlich wird der Mageninhalt portionsweise an die folgenden Darmabschnitte abgegeben – ein vergrößertes Magenvolumen bedingt auch eine längere Magenentleerung und wirkt auf die Sättigung verlängernd. Die Sättigung wird auch zu Beginn einer ballaststoffreichen Mahlzeit gefördert, weil das längere Kauen den Sättigungseffekt zusätzlich begünstigt.

Senkung des Cholesterinspiegels

Cholesterin ist eine lebenswichtige Substanz, die der Körper selbst bilden kann. Daher ist der Mensch nicht auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen. Cholesterin ist in tierischen Produkten enthalten. Pflanzliche Lebensmittel enthalten kein Cholesterin. Zu den Aufgaben von Cholesterin zählt die Bildung der Gallensäuren, welche für die Nährstoffaufspaltung benötigt werden,

Um auf einen zu hohen Cholesterinspiegel Einfluss zu nehmen, muss die körpereigene Produktion gehemmt oder verfügbares Cholesterin gebunden werden. Als Folge muss der Körper Blutcholesterin abbauen und/oder die eigene Cholesterinproduktion ankurbeln. Ballaststoffe können beides: Ballaststoffe binden Gallensäuren, weshalb diese neu gebildet werden müssen und wofür Cholesterin benötigt wird. Dadurch steigt der Bedarf an Cholesterin, wodurch der Blutcholesterinspiegel sinkt. Aus Ballaststoffen gebildete Abbauprodukte wirken sich zusätzlich günstig aus, weil sie auf die Cholesterinproduktion in der Leber hemmend wirken.

Erhöhtes Cholesterin und erhöhte Triglyzeride schädigen die Blutgefäße. Ein erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt ebenfalls die Blutgefäße. Geschädigte Blutgefäße sind die Ursache für alle Formen möglicher diabetischer Folgeerkrankungen. Der Gefäßgesundheit sollte daher viel Aufmerksamkeit geschenkt werden!

Senkung des Blutzuckerspiegels

Ballaststoffe lassen den Blutzucker langsamer ansteigen. Der blutzuckersenkende Effekt lässt sich am  Beispiel von Stärke veranschaulichen: Stärke ist der Hauptbestandteil von Brot, Gebäck, Reis, Nudeln und Kartoffeln und kommt entsprechend häufig vor. Stärke ist eine Kette aus Traubenzuckermolekülen, die der Körper mithilfe von Enzymen leicht durchtrennen kann um daraus Energie zu ziehen. Das Endprodukt der Stärke ist Traubenzucker (Glukose), was den Blutzucker ansteigen lässt.

Je schneller der Blutzuckerspiegel ansteigt, desto gestresster ist der Körper und desto gestresster versucht die (im Fall von Typ-2-Diabetes ohnehin bereits geschwächte) Bauchspeicheldrüse, Insulin zu produzieren. Daher sollte der Blutzuckeranstieg langsam erfolgen und hier kommen Ballaststoffe ins Spiel. Ballaststoffe mischen sich unter die Zuckerketten (z.B. von Stärke), erhöhen die Verdauungsvorgänge und lassen die einzelnen Glukosebausteine langsamer frei. Das führt zu einem langsameren und gleichmäßigeren Anstieg des Blutzuckerspiegels.

Ein flacherer Blutzuckeranstieg bedeutet eine Entlastung für die Bauchspeicheldrüse, was langfristig die Glukosetoleranz erhöhen und die körpereigene Insulinproduktion verbessern kann.

Pflege der Darmflora

Ballaststoffe dienen gesundheitsfördernden Darmbakterien als Nahrungsquelle. In Folge verbessert sich die Leistung der Darmbakterien sowie deren Ausbreitung und Vermehrung im Darm. Dieser Effekt ist bei Diabetes insofern wichtig, als dass bestimmte Hormone (Inkretine) im Darm dafür zuständig sind, dass das Insulin im Blut besser wirken kann. Der Darm gilt auch als Sitz der Gesundheit, je besser es dem Darm geht, desto besser geht es dem gesamten Organismus – das gilt selbstverständlich auch bei Diabetes.

Bindung von Giftstoffen

Ballaststoffe sind bindungsfreudig und können Giftstoffe, Schwermetalle und andere Schadsubstanzen aus dem Verkehr ziehen.

Wieviel Ballaststoffe sollten täglich eingenommen werden?

Täglich sollten mindestens rund 30 g  Ballaststoffe gegessen werden. Nachdem Ballaststoffe ihr Volumen stark vergrößern können und bindungsfreudig sind, ist es wichtig ausreichend zu trinken.

10 g Ballaststoffe sind enthalten in

  • 22 g Weizenkleie
  • 28 g Leinsamen
  • 100 g Apfel (getrocknet)
  • 100 g Pecanüsse
  • 120 g Haselnüsse
  • 120 g Vollkornschrot
  • 500 g Äpfel
  • 1 kg Tomaten

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