Bewegung

Bewegung wirkt wie ein Medikament bei Diabetes Typ 2

Aktualisiert am 11.12.2020

Bewegung wirkt wie ein Medikament bei Diabetes Typ 2

Regelmäßige Bewegung ist gesund. Das gilt auch bei Diabetes Typ 2. Denn individuell angepasste Bewegung besitzt therapeutische Wirkung, weshalb diese zu den fixen Basis-Behandlungselementen der Diabetes-Therapie zählt.

Den gesundheitlichen Wert von Sport und Bewegung beweist eine Vielzahl an wissenschaftlichen Studien: eindrucksvolle Zahlen bestätigen, dass sich Gesundheitswerte wie Gewicht, Blutzucker, Blutfette und Blutdruck durch angepasste Bewegung verbessern und manchmal ganz normalisieren lassen.

In Zahlen sieht die gesundheitsfördernde Wirkung von Bewegung in Bezug auf Diabetes Typ 2 folgendermaßen aus:

  • Mittleres Training von 3 Mal pro Woche senkt den Blutdruck um 10/5 – das ist mit der Wirkintensität eines blutdrucksenkenden Standardmedikaments vergleichbar

  • Blutfette können um bis zu 50 % abgesenkt werden, wobei die Wirkung umso höher ist je höher die Ausgangswerte waren.

  • Die Wirkung von Insulin an der Zelle (Insulinempfindlichkeit) lässt sich um bis zu 46 % steigern.

  • Bewegung ist eine der wenigen natürlichen Möglichkeiten, um das gute „gefäßputzende“ HDL-Cholesterin zu erhöhen.

  • Weitere Untersuchungen belegen, dass ein Mehrumsatz von 2000 kcal pro Woche das Risiko für Durchblutungsstörungen um 60 % absenkt.

  • Diese günstigen Eigenschaften haben auch Auswirkung auf die Lebenserwartung, die im Durchschnitt ein Plus von 3 Jahren bedeutet; hinzu kommt die verbesserte Lebensqualität!

  • Auch die prophylaktische Wirkung lässt sich in Zahlen ausdrücken: in einer Studie erkrankten von 20.000 Ärzten ohne Diabetes aus der Gruppe mit 1 Mal wöchentlicher Bewegung 25 % weniger an Diabetes, und aus der Gruppe mit 3 Mal wöchentlicher Bewegung 30 bis 50 % weniger an Diabetes (Beobachtungszeitraum erstreckte sich auf 5 Jahre und war auf 2 Gruppen aufgeteilt)

Summe und Intensität der Auswirkungen von Bewegung auf die Gesundheit sind mit keinem Medikament vergleichbar. Die Gesundheitseffekte sind meist umso höher, je schlechter die Ausgangswerte sind. Bewegung zählt daher zu den fixen Behandlungssäulen der diabetischen Therapie und kann dabei helfen, den Bedarf an Medikamenten zu senken und diabetische Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Wieviel Bewegung ist für die positiven Gesundheitseffekte erforderlich?

Prinzipiell gilt, dass jeder Schritt zählt und einen Schritt in die richtige Richtung bedeutet. Allerdings ist Bewegung ein allgemeiner Begriff und es gibt keine Empfehlung, weil jeder Mensch etwas anders ist und teils unterschiedliche körperliche und gesundheitliche Konstitution mitbringt. Um positive Gesundheitseffekte realisieren zu können, gibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aber eine Orientierung vor:

Bewegungsempfehlung der WHO

Die Bewegungsempfehlung der WHO lautet, etwa 150 Minuten pro Woche Bewegung zu machen. Anteilsmäßig sollte sich die Bewegung aufteilen in:

  • 70 % Ausdauer
  • 20 % Geschicklichkeit
  • 10 % Krafttraining

In der Praxis könnte die Bewegungsempfehlung der WHO so aussehen

  • 3 x etwa 40 Minuten pro Woche Ausdauer (z.B. Radfahren, Nordic Walken, Laufen, Tanzen, Schwimmen)
  • 3 x etwa 10 Minuten pro Woche Gymnastikübungen (z.B. Kniebeugen, Liegestützen, Bauchtraining)

Ärztliche Kontrollen sind empfehlenswert

Körperliche Überforderung sowie Unterzuckerungen sollten vermieden werden. Daher sind ärztliche Untersuchungen sinnvoll. Zu den Standard-Untersuchungen zählen u.a. Belastungs-EKG, Blutdruckmessung sowie Untersuchungen der Füße. Auch die Art der Medikation wird in der Regel überprüft und bei Bedarf ärztlich angepasst.

Achtung! Es gibt Situationen, in welchen in Zusammenhang mit Bewegung besondere Vorsicht geboten ist: zum Beispiel wenn ausgeprägter Bluthochdruck, schwere Augenhintergrundveränderungen oder ausgeprägte Nierenschädigungen bestehen. In solchen Fällen sollte zusätzlich ärztlich abgeklärt werden, ob und welche Art von Bewegung möglich ist.

Wer mit Sport beginnen und den therapeutischen Effekt von Bewegung voll nützen möchte, sollte sich daher bereits vor geplanten Bewegungseinheiten einer ärztlichen Untersuchung sowie sportmedizinischen Beratung unterziehen. Auch regelmäßige Verlaufskontrollen sind ratsam. Das hilft dabei, Bewegung als Medizin bestmöglich wirken zu lassen. 

Individuell angepasste Bewegung kann den Verlauf des Diabetes Typ 2 – ähnlich einem Breitbandmedikament – sehr positiv beeinfussen. Auch gefürchtete diabetische Folgeschäden können verhindert werden. Sport und Bewegung zählen daher zu jenen Behandlungselementen der diabetischen Therapie, die in den diabetischen Ärzteleitlinien an erster Stelle stehen!

Ein gutes Leben mit Diabetes Typ 2 ist möglich!


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