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Blutzucker und Sport bei Diabetes 

Aktualisiert am 25.11.2019

Blutzucker und Sport bei Diabetes

Sport bietet viele gesundheitliche Vorteile. Allerdings müssen in Verbindung mit Insulin einige Dinge beachtet werden: vor Beginn der Bewegung sollte sich der Blutzuckerwert immer in einem guten Bereich befinden.

Ansonsten erhöht sich das Risiko für eine bewegungsbedingte Unterzuckerung (Hypoglykämie) oder Überzuckerung (Hyperglykämie) – beide Situationen sind gefährlich und sollten vermieden werden.

Warum erhöht Bewegung das Risiko für eine Unterzuckerung oder Überzuckerung?

Muskelaktivität kann einen bereits niedrigen Blutzucker-Ausgangswert noch weiter absinken oder einen hohen Blutzucker-Ausgangswert noch höher ansteigen lassen – also eine problematische Blutzuckersituation bis zur Stoffwechselentgleisung provozieren.

Um diese Risiken zu vermeiden, sollte vor jeder Sporteinheit der Blutzucker geprüft werden. Der Blutzucker-Ausgangswert sollte zwischen 100 mg/dl und 250 mg/dl sein. Passt der Blutzuckerwert, kann mit der Bewegung bei Diabetes begonnen werden.

Welche Gründe gibt es für sportlich bedingte Blutzuckerentgleisungen?

1. Unterzuckerung durch INSULINÜBERSCHUSS

Körperliche Aktivität verschärft einen bestehenden Insulinüberschuss, weil bei Bewegung Insulin besser wirkt und als Folge der Insulinbedarf prinzipiell absinkt.

Deshalb: Vorsicht bei zu niedrigem Blutzucker vor dem Sport!

Zu viel Insulin kann während und nach der sportlichen Aktivität zu einer Unterzuckerung führen. Die Gründe für den Insulinüberschuss können folgende sein:

  1. Der Insulinspiegel im Körper ist insgesamt zu hoch, was durch Insulinspritzen oder insulinfreisetzende Medikamente (Sulfonylharnstoffe oder Glinide) hervorgerufen werden kann. Im Körper befindliches Insulin ist aktiv, senkt den Blutzucker und drosselt die körpereigene Bereitstellung von Zuckern aus den Glykogen-Speichern.
  2. Die Insulinempfindlichkeit der Zellen steigt parallel zur körperlichen Belastung – die Zellen können Glukose bei sportlicher Aktivität schneller und effizienter aufnehmen.
  3. Die Bereitstellung von Glukose aus der Leber ist gehemmt, weil ein hoher Insulinspiegel das Signal an die Leber sendet, keinen zusätzlichen Zucker freizusetzen.

Alle 3 Faktoren spielen zusammen und fördern den Zuckerabbau im Blut, was eine Unterzuckerung auslösen kann. Um die Gefahr einer sportbedingten Unterzuckerung zu vermeiden, gilt daher: bei Blutzucker-Werten unter 100 mg/dl nicht mit Sport beginnen!


Das Unterzuckerungsrisiko hängt auch vom individuellen Trainingszustand ab:

Die Muskulatur legt sich für körperliche Belastungen Glukosevorräte an, wobei Patienten, die lange Zeit keinen Sport betrieben haben, weniger Glukose-Reserven aufweisen als sportlich aktive Patienten. Daher ist auch das Unterzuckerungsrisiko für wenig sportliche Diabetiker höher. Prinzipiell werden nur in den aktiv beanspruchten Muskelgruppen Zuckervorräte eingelagert.

Ein Beispiel: beim Radfahren werden andere Muskelgruppen benötigt als beim Rudern. Wird eine neue Sportart ausgeübt, die bisher wenig beanspruchte Muskelgruppen aktiviert, kann es auch bei durchtrainierten Patienten zu Unterzuckerungen kommen.


Sport wirkt über Stunden nach der Belastung nach. Dabei handelt es sich um den sogenannten „Nachbrenneffekt“. In dieser Zeit werden geleerte Zuckerspeicher in der Leber und in der Muskulatur wieder aufgefüllt. Das ist auch der Grund, warum es bis zu 14 Stunden nach der Bewegung zu einem Blutzuckerabfall samt Unterzuckerung kommen kann.

2. Überzuckerung durch INUSLINMANGEL

Besteht vor Beginn des Sports eine entgleiste Stoffwechselsituation mit Blutzuckerwerten von 220 – 300 mg/dl oder mehr, liegt ein Mangel an Insulin vor. Bei Nachweis von Aceton ist sogar von einem nahezu absoluten Insulinmangel auszugehen. In diesem Fall darf kein Sport gemacht werden!

Daher: Vorsicht bei zu hohem Blutzuckerspiegel vor dem Sport!

Warum darf bei hohen Blutzuckerwerten kein Sport ausgeübt werden?

Überhöhte Blutzuckerwerte deuten einen Insulinmangel an, was problematische Konsequenzen für den Körper zur Folge haben kann. Zu wenig Insulin kann während und nach der sportlichen Aktivität zu einer Überzuckerung führen. Die Gründe für den Insulinüberschuss können folgende sein:

  1. Die Glukose kann nicht zufriedenstellend verwertet werden, weil dafür Insulin notwendig ist.
  2. Das Fehlen von Insulin bedeutet für die Leber das Signal, Glukose freizusetzen – der Zuckerspiegel steigt weiter an.
  3. Da Zucker nicht zur Energiegewinnung verbraucht werden kann (weil es aufgrund des Insulinmangels nicht vollständig verwertet werden kann), werden Fette mobilisiert. ABER: auch für die Energiegewinnung aus Fetten wird Insulin benötigt – bei Insulinmangel kann Energie aus Fetten zwar gewonnen werden, allerdings ist diese Verwertung unvollständig und es kommt – insulimangelbedingt – zur Bildung von Ketonkörpern.
  4. Die Ketonkörperbildung kann zu einer ketoacidotischen Entgleisung samt diabetischem Koma führen, was lebensgefährlich ist.

In einer solchen Situation gilt es, Ruhe zu bewahren, keinen Sport zu machen und auch jede sonstige Form der körperlichen Bewegung zu vermeiden! Es sollte viel Wasser getrunken werden, weil der Zucker dadurch verdünnt werden kann. Ambulanz oder Arzt per Rettung aufsuchen! Oberste Priorität gilt nun der Normalisierung der Stoffwechselsituation!

3. Überzuckerung durch STRESSHORMONE 

Nicht nur ein Insulinmangel kann zu einem Blutzuckeranstieg führen, sondern auch intensive Muskelarbeit – oft im Zusammenspiel mit der Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin. So kann es zum Beispiel während eines sportlichen Wettkampfs zu einem starken Blutzuckeranstieg kommen.

Vorsicht bei zu hohem Blutzuckerspiegel vor und während dem Sport!

Es gilt daher: bei Werten über 250 mg/dl nicht mit Sport beginnen!

Sport kann eine bestehende Überzuckerung und eine bestehende Unterzuckerung verstärken! Daher sollte Basis jeder sportlichen Betätigung eine gute Blutzucker-Ausgangssituation zwischen 100 und maximal 250 mg/dl sein!

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