Ernährung

Ernährung gegen Herzinfarkt

Aktualisiert am 08.11.2018

Ernährung gegen Herzinfarkt

Herzinfarkt zählt zu den gefürchteten Folgeerkrankungen eines schlecht eingestellten Diabetes. Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, müssen die Blutzuckerwerte in einem guten Bereich sein. Dadurch wird das Gefäßsystem entlastet und das Risiko für einen überzuckerungsbedingten Herzinfarkt sinkt.

Wie sieht es mit Ernährung aus? Essen gegen Herzinfarkt – geht das? Der Mediziner Dr. Esselstyn beantwortet diese Frage mit JA. Und es ist anzunehmen, dass der Arzt mit der Herz-Thematik gut vertraut ist, denn er hat einen Großteil seiner Karriere der Behandlung schwer herzkranker Patienten gewidmet. Seine Behandlungserfolge sind verblüffend und stellen bisherige  Behandlungsempfehlungen auf den Kopf. Gleichzeitig machen sie jenen Herzpatienten Mut, denen die Schulmedizin nicht mehr helfen kann. Ein Wundermedikament? Nein. Das Erfolgsinstrument? Ernährung.

Einblicke in die Arbeit von Dr. Esselstyn…

Wer ist Dr. Esselstyn? Dr. Caldwell B. Esselstyn ist ein US-amerikanischer Arzt. Er arbeitete lange Zeit an der renommierten Cleveland Klinik in Ohio, die den Ruf  hat, zu den besten Herzkliniken der Welt zu zählen. Dr. Esselstyn widmete sich in seiner Berufskarriere der Frage, was die Entwicklung von Gefäßkrankheiten fördert. Die Motivation dafür wurzelte in der Verzweiflung jener Patienten, die Dr. Esselstyn als letzte Hoffnung konsultieren, nachdem sie davor an der chirurgischen Abteilung der Cleveland Klinik die Nachricht erhalten hatten, dass sämtliche Eingriffe, die zu ihrer Rettung vorgenommen worden waren – unter anderem Operationen am offenen Herzen,  Gefäßplastiken, Stents, Medikamente –  erfolglos geblieben sind, was einem Todesurteil gleichkam. Dr. Esselstyn konnte helfen. Den Schlüssel für seine Behandlungserfolge sieht Dr. Esselstyn in der Ernährung. Mithilfe eines einfachen, aber hochwirksamen Ernährungskonzepts konnte der Mediziner Menschen – darunter auch Prominenten wie Bill Clinton – zu neuer Herzgesundheit verhelfen.

Mission Herzgesundheit

Dr. Esselstyn ist überzeugt, dass Herzerkrankungen – die er als moderne Geißeln unserer Wohlstandsgesellschaft betrachtet – ausrottbar sind. Ein ehrgeiziges Ziel angesichts der Tatsache, dass koronare Herzerkrankungen zu den häufigsten Todesursachen des  Westens zählen – trotz aller modernen Fortschritte der Medizin. Denn dem schulmedizinischen Behandlungsrepertoire sind bis heute Grenzen gesetzt und diese sind umso schneller erreicht, je mehr Potenziale ungenutzt bleiben: insbesondere das Potenzial gesunder Ernährung.

Zahlen aus Amerika

Koronare Herzerkrankungen wie Herzinarkt zählen zu den häufigsten diabetischen Folgeerkrankungen sowie zu den häufigsten Todesursachen der westlichen Gesellschaft. In den USA sterben alljährlich mehr als eine halbe Million Menschen daran. Drei Mal so viele erleiden einen Herzinfarkt, so die Statistik. Und etwa weitere 3 Millionen erleiden einen stummen Infarkt mit minimaler Symptomatik und erfahren erst später davon. Im Laufe ihres Lebens wird einer von 2 Amerikanern und eine von 3 Amerikanerinnen herzkrank. Diese Zahlen sind, in Relation zur Einwohnerzahl, auf wohlhabende Länder Europas übertragbar – auch auf Österreich.

Ernüchterndes aus der modernen Medizin

Die ernüchterndste Tatsache ist, dass der Löwenanteil des „Herz-Budgets“ in die Behandlung von  Symptomen fließt anstatt in die Heilung. Dazu zählen Ausgaben für Herzmedikamente, Blutgerinnsel-auflösende Präparate, teure Medizintechnik wie Bypässe und Gefäß-Ausdehnungen, rotierende Mikroskalpelle, Laser und Stents.

Das Problem ist, dass diese Behandlungsmaßnahmen mit einem hohen Nebenwirkungsrisiko verbunden sind und diese die Grundkrankheit NICHT heilen können. Das Risiko für ein weiteres, akut lebensbedrohendes Ereignis bleibt bestehen – so akut, dass Patienten mit koronarer Herzkrankheit medizinisch ein Leben lang als „Hochrisikopatienten“ geführt werden.

Die moderne Medizin ist darauf ausgerichtet, den Fokus in die Behandung von Krankheiten zu setzen anstatt in deren Prophylaxe – so beschreibt es Dr. Esselsytyn in seinem Buch. Symptombehandelte Patienten vergleicht er mit einer Menschenmasse, die auf eine Klippe zusteuert und Ärzte in letzter verzweifelter Anstrengung versuchen, diese zu retten, während sich die Patienten bereits im freien Fall befinden. Ratsamer wäre es, dem Abgrund im Vorhinein so fern wie möglich zu bleiben.

Erkenntnis aus der Ernährungsmedizin

Dr. Esselstyn bilanziert seine Berufserfahrung so: koronare Herzerkrankungen lassen sich nicht nur verhindern, sondern auch aufhalten und rückbilden  –  ohne technischen Aufwand und unter minimalem oder gar keinem Einsatz von Medikamenten. Der Schlüssel liegt in der Ernährung – speziell in der Abkehr vor der typisch ungesunden Ernährungsweise.

Herzgesundes Ernährungsprogramm

Dr. Esselstyn entwickelte ein Ernährungsprogramm, das erstaunlich einfach ist. Es beinhaltet einige Grundprinzipien, die weder komplex noch lang sind, allerdings streng eingehalten werden müssen.

Den Grund für die Strenge erklärt er so: ein bisschen ungesunde Lebensmittel gibt es nicht, denn ein bisschen Fett an beispielsweise 3 Tagen pro Woche ergibt eine Summe von 150 herzschädigenden Mahlzeiten pro Jahr – eine viel zu hohe Fettmenge, die den Behandlungserfolg schmälern oder ganz verhindern kann.

Die Teilnehmer von Dr. Esselstyns Ernährungsprogramms bekommen daher genaue Informationen über herzschädigende und herzgesunde Lebensmitteln samt strikter Vorgabe, dass sie kein einziges Lebensmittel essen dürfen, welches die Entstehung von Gefäßkrankheiten verstärken kann. Von den herzgesunden Lebensmitteln dürfen Dr. Esselstyns Patienten (fast) ohne Einschränkungen so viel essen, wie sie gerne mögen.

Als Lohn für die eingehaltene Therapietreue verspricht Dr. Esselstyn das Ende des Herzleidens und verweist dabei auf 3/4 der Weltbevölkerung: 75 % der Erdbevölkerung zählt sich nicht zur modernen Wohlstandsgesellschaft; dort gibt es kein Essen im Überfluss, dort existieren aber auch so gut wie keine Herzerkrankungen.

Zu den wesentlichen Grundprinzipien des herzgesunden Ernährungsprogramms zählen:

  1. Gemüse in allen Farben genießen!
  2. Jede Menge Hülsenfrüchte essen!
  3. Alle Obstsorten sind erlaubt!
  4. Vielfalt der Volllkornprodukte nutzen!
  5. Tierische Produkte streichen!
  6. Fettreiche Lebensmittel – einschließlich Öle – meiden!
  7. Auf Zucker in seiner Reinform verzichten!

Achtung Cholesterin

Eine weitere wesentliche Erkenntnis von Dr. Esselsytn ist, dass niemand, dem es dauerhaft gelingt, sein Gesamtcholesterin im Blut auf 150 mg/dl und den LDL-Wert auf unter 80 mg/dl abzusenken, eine Verschlimmerung seines Herzleidens befürchten muss. Viele Herzkranke haben sogar das Glück, dass sich die Folgen ihrer Erkrankung medizinisch nachweisbar zurückbilden. Wie? Durch konsequente pflanzenbasierte Ernährung und gegebenenfalls niedrig dosierte Cholesterinsenker, so die Theorie von Dr. Esselstyn.

Herzgesunde Ernährung basiert auf einer rein pflanzlichen und fettarmen Ernährungsweise! Sie ist so wirksam wie einfach, wenn sie tatsächlich angewendet wird und herzschädigende Ernährungseinflüsse konsequent vermieden werden!

Dr. Esselstyn: „Die westliche tierische und fettreiche Ernährungsweise verstopft die Blutgefäße und ist für die hohe Zahl der Herzinfarkte in den Industrieländern verantwortlich. Davon bin ich überzeugt!“

Erfolge des herzgesunden Ernährungsprogramms

Die Erfolge von Dr. Esselstyn sind beachtlich. Bei jenen Patienten, die seinem pflanzenbasierten Ernährungsprogramm folgten, kam es zum Stillstand des Fortschreitens der koronaren Herzkrankheit und teilweise zur Rückbildung der koronaren Herzkrankheit. Und bei jenen Patienten, die dem Programm sehr streng folgten, verschwand die Angina pectoris innerhalb weniger Wochen und die krankhaften Werte im Belastungstest normalisierten sich.

Je besser die Ernährungsempfehlungen eingehalten wurden, umso umfassender war die Zunahme von Herzgesundheit, Lebensqualität und Wohlbefinden.

Die pflanzenbasierte Ernährung verringerte oder beseitigte scheinbar alle Risikofaktoren, die zu erneutem Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen können. Mit großem Erfolg: jene Patienten, die sich an die von Dr. Esselstyn vorgegebene Ernährungsweise hielten, blieben 20 Jahre ohne Herzinfarkt –  bemerkenswert in Anbetracht der Tatsache, dass es sich bei allen Patienten um sogenannte „hochgradig Gefäßkranke“ handelte.

Wie sind solche Erfolge möglich?

Man fand heraus, dass die Substanz Stickoxid wesentlichen Anteil an der Gesundheitswirkung haben könnte.

Stickoxid ist wichtig für die Blutgefäße

Es stellte sich heraus, dass pflanzenbasierte Nahrung das Gefäßendothel gesund hält und es damit in die Lage versetzt, Stickstoffmonoxid (kurz: Stickoxid) zu produzieren. Dieser Mechanismus ist überaus wichtig, denn Stickstoffmonoxid nimmt für die Gefäßgesundheit eine auffallende Schlüsselposition ein.

Was ist so wichtig an Stickstoffmonoxid?

Stickstoffmonoxid kommt bei der Gefäßgesundheit viele Aufgaben zu: es entspannt die Blutgefäße und lenkt das Blut in jene Organe, die es benötigen. Zusätzlich verhindert es, dass weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen verkleben und gefäßverstopfende Plaques bilden. Stickstoffmonoxid verhindert, dass glatte Muskelzellen der Arterien in die Plaques hineinwachsen. Wahrscheinlich ist Stickstoffmonoxid auch am Abbau bereits vorhandener Gefäßplaques beteiligt. Diese Eigenschaften sind für ein gesundes Herz Gold wert!

Die Erkenntnis über das Zusammenwirken von im Körper produziertem Stickstoffmonoxid und dem Gefäßsystem war so bahnbrechend, dass 1989 dafür der Nobelpreis für Medizin vergeben wurde.

Achtung! Nicht zu verwechseln ist Stickstoffmonoxid, das durch Abgase von Industrie und Verkehr entsteht. Abgas-Stickstoffmonoxid ist giftig und sollte keinesfalls aufgenommen werden. Die oben vorgestellte Form von Stickstoffmonoxid wird nicht von außen zugeführt, sondern im Gefäßendothel gebildet und entfaltet von dort aus auch seine herzgesunde Wirkung.

Pflanzliche Ernährung fördert die Bildung von Stickstoffmonoxid in den Gefäßen und damit gesunde Gefäße bei Diabetes!

Wie fördert pflanzenbasierte Ernährung die Bildung von Stickstoffmonoxid? Um das zu verstehen, brauchen wir etwas Biochemie. Der wesentliche Baustein für Stickoxid heißt L-Arginin, eine Aminosäure, und diese ist in einer Vielzahl von pflanzlichen Lebensmitteln enthalten – vor allem in Hülsenfrüchten wie Bohnen, Linsen, Erbsen, Soja und in Nüssen. Aus L-Arginin und Sauerstoff wird mithilfe eines Enzyms (Stickoxid-Synthetase) Stickstoffmonoxid produziert, das dann seine gefäßstabilisierende Wirkung entfalten kann.

Schlussfolgerung

Das Beispiel der überaus gefäßfreundlichen Wirkung durch eine bestimmte Ernährungsweise zeigt, wie sehr der menschliche Körper auf gesunde Lebensmittel pflanzlicher Herkunft angewiesen ist, und wie dankbar und postiv die Reaktion ausfällt, sobald das benötigte „Material“ geliefert wird um wieder gesund oder zumindest gesünder zu werden – selbst dann, wenn der Gesundheitszustand des Herzens bereits stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Dr. Esselstyns ehemals schwer herzkranke, als austherapiert und sterbenskrank geltende Patienten beweisen, dass es nie zu spät ist, mit einem gesunden Lebensstil zu beginnen, weil immer eine Chance besteht! IMMER, so lange wir leben und solange unser Herz für uns schlägt!


Mehr Infos zu Dr. Esselstyns „Prevent & Reverse Heart Disease Program“ gibt es auch auf der Internetseite www.dresselstyn.com.

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