Ernährung

Hafertherapie für bessere Blutzuckerwerte

Aktualisiert am 19.03.2019

Hafer schützt vor Diabetes und vor Herzerkrankungen

Hafer verbessert die Blutzuckerwerte und wirkt diabetischen Folgeerkrankungen entgegen. Dieses Wissen hat die Ärzteschaft des Herz- und Gefäßzentrums Bad Bevensen in Deutschland aufgegriffen und in ihren Behandlungsplan integriert. Denn Diabetes mellitus und Herzerkrankungen sind eng miteinander verbunden: rund ein Viertel aller Herzinsuffizienz-Patienten sind auch an Diabetes erkrankt. Bei genauerer Diagnostik – so die Klinik – fand man heraus, dass sogar bis zu 75 % der Patienten eine Störung des Zuckerhaushalts aufweisen. Außerdem haben die meisten Herzpatienten Übergewicht, was sich zusätzlich schädlich auf Blutzucker sowie Blutdruck und Blutfette auswirkt.

Blick in die Geschichte

Das Wissen um die ernährungsmedizinischen Eigenschaften von Hafer ist nicht neu. Ganz im Gegenteil – denn die Heilkraft des Hafers ist seit Jahrtausenden bekannt und wurde bereits von Völkern der Antike genutzt und auch in der traditionellen chinesischen Medizin genießt dieses besondere Getreide einen fixen Platz.

Was hat es mit dem Hafer in Bezug auf Diabetes auf sich?

Hafer hatte insbesondere bei der Behandlung von Diabetes mellitus Typ 1 einen hohen Stellenwert, als noch kein Insulin zur Verfügung stand und die Medizin auf alternative Methoden angewiesen war. Denn Insulin wurde erst vor etwa 100 Jahren etabliert. Im Jahr 1902 hat der Arzt Carl von Noorden eine Haferkur in die Diabetes-Behandlung eingeführt: dabei erhielten Diabetes-Patienten 2 bis 4 Tage lang täglich insgesamt rund 200 bis 250 g Hafer, aufgeteilt auf 4 Mahlzeiten.

Noch bis in die 1960er Jahre wurde diese Therapieoption genutzt, um Patienten nach einem Zuckerschock zu stabilisieren und die Insulingaben so gering wie möglich zu halten. Mit der Entdeckung des Insulins 1921 geriet die Haferkur allerdings immer mehr in Vergessenheit.

Studie der medizinischen Fakultät Heidelberg

Für frischen Wind sorgte eine 2007 publizierte Studie der medizinischen Fakultät Heidelberg, die aufzeigte, dass eine zweitägige Haferdiät pro Monat eine Halbierung der Insulindosis ermöglicht, die Glukosewerte verbessert und den HbA1c-Wert absenkt. Diese positiven Effekte sind bis zu 4 Wochen nachweisbar. Die Reduktion der Insulindosis vereinfacht darüber hinaus das Gewichtsmanagement.

MedUni Heidelberg: eine zweitägige Haferdiät pro Monat ermöglicht die Halbierung der Insulindosis, Verbesserung der Glukosewerte und Absenkung des Langzeitzuckers.

Diese eindrucksvollen Ergebnisse der Heidelberger Studie sind ein Beispiel dafür, dass traditionelles Wissen durch wissenschaftliche Studien belegt werden kann und als Folge in modernen Therapieplänen eine Art Renaissance erfährt. So setzt der Herzspezialist Prof. Dr. med. Björn Andrew Remppis, Chefarzt der Kardiologie im Herz- und Gefäßzentrum Bad Bevensen, in seiner Klinik auf das Wissen unserer Vorfahren und bietet neben der schulmedizinischen Behandlung eine Haferkur an, bei der Patienten 2 Tage lang nur Haferbrei essen – so viel sie mögen und können.

Für den Geschmack dürfen morgens Zimt, Mandeln und etwas Süßstoff hinzugefügt werden. Mittags und abends wird der Brei mit Gemüsebrühe gekocht und gemeinsam mit etwas Schnittlauch und Kräutern gegessen.

Der als Ernährungsmediziner bekannte Internist und Diabetologe Dr. Matthias Riedl schreibt in einem Kommentar auf einer Diabetes-Blog-Seite zu diesem Thema folgendes:

Was steckt drin im Haferkorn?

Hafer enthält einen sehr hohen Anteil an Vitaminen des B-Komplexes sowie Vitamin E und K. Die B-Vitamine sind an vielen enzymatischen Regulationsmechanismen beteiligt und schützen vor Nervenschädigungen. Vitamin E schützt die Körperzellen vor Oxidation und kann darüber hinaus gemeinsam mit Vitamin B3 (Niacin) die Insulinwirkung erhöhen. Vitamin K gilt allgemein als Schutzfaktor vor Insulinresistenz und Diabetes Typ 2.

Unter den Mineralstoffen punktet Hafer mit hohen Mengen an Zink, Chrom, Magnesium und Eisen. Hier handelt es sich um bei Diabetes besonders wichtige Mineralien. Zink unterstützt die Speicherung von Insulin und erhöht die Insulinwirkung an den Zellen. Zusätzlich stärkt Zink das Immunsystem, und nimmt eine wichtige Stellung bei der für Diabetiker sehr wichtigen Wundheilung ein. Chrom und Magnesium sind ebenfalls an der Blutzuckerregulation beteiligt, weil sie die Empfindlichkeit der Zellen gegenüber Insulin erhöhen. Magnesium regt darüber hinaus die Bauchspeicheldrüse an, größere Mengen an Insulin zu produzieren. Magnesium wirkt auch entspannend auf die Arterienwandmuskulatur, was den Blutdruck günstig beeinflusst und das Herz entlastet. Eisen ist als Transporteur von Sauerstoff für die Sauerstoffversorgung des Körpers zuständig, was für eine gute Wundheilung und somit für die Vermeidung eines diabetischen Fußes von zentraler Bedeutung ist.

Der hohe Anteil an Nahrungsfasern im Hafer lässt den Blutzucker flacher ansteigen und schont dadurch die Bauchspeicheldrüse. Der Ballaststoff beta-Glucan sticht dabei besonders hervor, weil er neben seinen blutzuckerstabilisierenden auch cholesterinsenkende Eigenschaften besitzt. Und unter den sekundären Pflanzenstoffen punkten die Aventhramide, die ausschließlich im Hafer vorkommen. Dabei handelt es sich um Polyphenole, die arteriosklerotische Ablagerungen hemmen, Zellen vor Oxidation schützen und insgesamt als hochwirksamer Schutzfaktor für Herz und Gefäße fungieren.

Hafer ist somit auffallend reich an jenen Nährstoffen, die den Verlauf von Diabetes mellitus besonders günstig beeinflussen können. Die Kombination aus diesen Nährstoffen dürfte es auch sein, die dem Hafer sein besonderes Wirkpotenzial verleihen.

Vorsicht Unterzucker!

Die Haferkur sollte nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt durchgeführt werden, weil sie zu Unterzuckerungen führen kann – insbesondere bei Therapie mit Insulin oder insulinfreisetzenden Medikamenten (mit den Wirkstoffen Sulfonylharnstoff und Glinid). Der Grund: die Wirkung könnte so intensiv ausfallen, dass davor Insulin oder Diabetesmedikamente reduziert werden müssen. Ärztliche Unterstützung ist daher empfehlenswert.


  • 1/2 l Trinkwasser
  • 66 g Haferflocken
  • 10 g gehobelte Mandeln
  • Prise Zimt & Süßstoff

Zubereitung

  1. Wasser mit Zimt aufkochen.
  2. Haferflocken einrühren und ausquellen lassen.
  3. Mandeln unterrühren und mit ganz wenig Süßstoff abschmecken.

  • 1/2 l Trinkwasser
  • 66 g Haferflocken
  • Schnittlauch
  • Kräuter & etwas Suppengewürz

Zubereitung

  1. Gemüsebrühe aufkochen.
  2. Haferflocken einrühren und ausquellen lassen.
  3. Kurz vor dem Anrichten Schnittlauch und Kräuter einrühren.

Originalrezepte des Herz- und Gefäßzentrums Bad Bevensen


Es lohnt sich, dem Erreichen eines guten Blutzuckerspiegels Aufmerksamkeit zu schenken. Je natürlicher, medikamentenfreier und nebenwirkungsärmer sich die Blutzuckerziele realisieren lassen, desto besser. Die Hafertherapie kann dabei helfen.

Mehr zum Thema

  • LanitzLanitz sagt:

    Danke sehr!! Hat mir sehr geholfen,den Kampf gegen Diabetes aufzunehmen!Werde versuchen,die wertvollen Hinweise zu nutzen.