Insulin

Insulin als Therapie

Aktualisiert am 27.07.2018

Insulin als Therapie

Insulin ist aus der Diabetes-Behandlung nicht mehr wegzudenken. Spätestens dann, wenn die körpereigene Insulinproduktion nachlässt und sich die Zielwerte trotz Tabletten, Ernährung und Bewegung nicht mehr erreichen lassen. Die Behandlung mit Insulin wird seit rund 100 Jahren angewendet und schaffte es seither viele Leben zu retten.

Was ist Insulin? 

Insulin ist ein Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse der Betazellen der Langerhans´schen Inselzellen produziert wird. Es wird benötigt, um Zucker aus dem Blut in jene Körperzellen zu befördern, die Zucker als Energie benötigen.

  1. Besteht ein absoluter Insulinmangel, muss Insulin mittels Spritzen-Injektion zugeführt werden.
  2. Besteht ein relativer Insulinmangel, ist es von der Menge des noch vorhandenen Restinsulins abhängig, ob Insulin gespritzt werden muss oder (noch) nicht.

Ein relativer Insulinmangel tritt bei Diabetes mellitus Typ 2 häufig auf, ein absoluter Insulinmangel bei Diabetes mellitus Typ 1.

Kann Insulin wie ein Medikament geschluckt werden?

Insulin ist ein Protein (Eiweiß), das aus Aminosäuren aufgebaut ist. Proteine werden im Magen durch die Salzsäure verdaut, weshalb geschlucktes Insulin schnell wirkungslos werden würde. Insulin kann daher nicht als Medikament eingenommen, sondern ausschließlich über Spritzeninjektion verabreicht werden.

Wie wirkt Insulin?

Insulin wird subkutan unter die Haut gespritzt und entfaltet danach die gleiche Wirkung wie körpereigenes Insulin.

Insulin veranlasst den Einbau von Zucker in die Zellen von Leber, Muskulatur und Fettgewebe. Die Leber dient als natürlicher Speicherort für Zucker, wo  Zucker in Form von Glykogen gespeichert und im Bedarfsfall schnell wieder freigesetzt werden kann. Die Muskulatur benötigt den Zucker als Energiesubstrat um Arbeit leisten zu können. Sobald alle auf Zucker angewiesenen Zellen des Körpers mit Zucker vollgefüllt sind, wird dieser in Fett umgebaut und in die Fettzellen eingelagert. Das Fettgewebe dient als unbegrenztes Speicherreservoir für Zucker.

Auch das Gehirn benötigt Zucker – allerdings mit dem Unterschied, dass Insulin nicht die Versorgung der Gehirnzellen keine Voraussetzung ist. Denn  Gehirnzellen können Zucker auch ohne Insulin „hereinlassen“ und verwerten.

Welche Insuline gibt es?

Für die Behandlung mit Insulin steht eine große Auswahl an Therapien zur Verfügung und entsprechend groß ist auch die Auswahl an Insulinen. Früher wurde Insulin aus der Bauchspeicheldrüse (= Pankreas) von Schweinen und Rindern gewonnen. Die heute zur Verfügung stehenden Insuline unterscheiden sich in Human-Insulin und Analog-Insulin.

  1. Human-Insulin (= klassisches Insulin) wird biotechnisch hergestellt – jeder einzelne Bestandteil (Aminosäure) ist identisch mit menschlichem Insulin.
  2. Analog-Insulin (= verändertes Insulin) wird ebenfalls biotechnisch hergestellt, allerdings wurde die Struktur verändert um es an Situation und Bedürfnisse der Therapie noch besser anzupassen

Im Insulin sind Hilfsstoffe enthalten, meistens Puffersubstanzen und Desinfektionsmittel. Als Desinfektionsmittel kommt häufig ein Phenol-Cresol-Gemisch) eingesetzt (selten kann es zu Unverträglichkeiten kommen). Auch eine Verzögerungssubstanz kann enthalten sein.

Wirkweise verschiedener Insuline

Es steht eine Vielzahl an Insulinen zur Verfügung: klassische Insuline, Insulin-Analoga und Mischinsuline. Diese unterscheiden sich nach Wirkbeginn, Wirkdauer und Wirkkurve. Darüber hinaus gibt es kurzwirksame Insuline, langwirksame Insuline und Kombinationen aus kurz- und langwirksamen Insulinen (Mischinsuline). Auf diese Weise wird es möglich, Therapien noch besser an die individuelle Situation anzupassen.

Bei Humaninsulinen hängt die Wirkweise von der Dosis ab: je mehr gespritzt wird, desto höher ist das Wirkmaximum und desto höher ist auch die Wirkdauer. Bei Kurzzeit-Analog-Insulinen verhält es sich dagegen anders, weil diese keine oder nur minimale Abhängigkeit aufweisen.

Farbliche Kennzeichnung von Insulin

Um Verwechslungen vorzubeugen, sind Insuline je nach Wirkung und Mischung farblich gekennzeichnet. Sie sind weltweit in verschiedenen Konzentrationen erhältlich, was beispielsweise auf Reisen in fremde Länder berücksichtigt werden sollte. In Österreich sind Insuline in 100 Einheiten pro ml erhältlich.

Wirkverlauf von Insulin

  1. Wirkbeginn: das erste Insulin erscheint im Blut, die Wirkung wird immer stärker
  2. Wirkmaximum: das gesamte Insulin erreicht das Blut, die Wirkung erreicht ihren Höhepunkt
  3. Wirkabschwächung und Wirkende: bis gar kein Insulin mehr vorhanden ist, schwächt die Wirkung immer mehr ab.

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