Ernährung

Kohlenhydrate und Diabetes

Aktualisiert am 21.06.2018

Kohlenhydrate und Diabetes

Kohlenhydrate zählen mengenmäßig zu den bedeutendsten Nährstoffen der menschlichen Ernährung. In erster Linie dienen sie der Energiegewinnung. In Bezug auf Diabetes kommt den Kohlenhydraten auch insofern eine zentrale Bedeutung zu, als dass sie eine direkt steigernde Wirkung auf den Blutzucker ausüben.

Aufgaben der Kohlenhydrate

Energie für die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen

Kohlenhydrate sind primär für die Deckung des Energiebedarfs zuständig. Energie wird permanent benötigt, sowohl bei Tag als auch bei Nacht und im Schlaf. Nur mit ausreichend Energie ist es möglich, körperliche und geistige Arbeit zu verrichten. Auch Körperfunktionen wie Atmung, Herztätigkeit, Verdauung und die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur sind von Energie abhängig. Kohlenhydrate liefern für diese Aufgaben pro 1 Gramm 4 Kilokalorien an Energie.

Energiespeicher

Kohlenhydrate werden  in Form von Glykogen gespeichert. Glykogen ist ein Zuckerspeicher (= Glukosespeicher), der für die Aufrechterhaltung eines gesunden Blutzuckerspeigels benötigt wird. Denn sobald der Blutzuckerspiegel auf ein ungünstiges Niveau abfällt, wird Zucker aus dem Glykogen von Leber und Muskulatur bereitgestellt und der Blutzuckerspiegel erhöht.

Strukturbestandteile

Zusätzlich dienen bestimmte Kohlenhydrate auch als Grundbausubstanz der DNA. In Verbindung mit Proteinen und Lipiden sind Kohlenhydrate auch Bestandteile von Hormonen, Enzymen, Antikörpern und Kollagenfasern.

Wie wird aus Kohlenhydraten Energie gewonnen?

Alle verdaulichen Kohlenhydrate werden nach dem Verzehr zu Glukose (Traubenzucker) abgebaut. In dieser Form stehen Kohlenhydrate für die direkte Energiegewinnung zur Verfügung. Diese passiert unter dem Einfluss des Hormons Insulins. Mithilfe von Insulin kann der fertig aufgespaltene Traubenzucker  in die Zellen gelangen und dort als Energiestoff verbrannt werden.

Glukose ist das bevorzugte Energiesubstrat des Körpers.

Richtwerte pro Tag: mindestens 50 % der täglichen Energiezufuhr bei einem PAL-Wert von 1,4 – das sind mindestens 230 g Kohlenhydrate für weibliche und 300 g für männliche Erwachsene.

Kann man zu viele Kohlenhydrate aufnehmen?

Wie für alles gilt auch für Kohlenhydrate, dass es auf die richtige Menge ankommt. Es können zu viele Kohlenhydrate gegessen werden. Werden (etwas) mehr Kohlenhydrate zugeführt als benötigt, werden diese in ihre Speicherform Glykogen umgewandelt und in der Leber zwischengespeichert. Steigt der Zuckerbedarf nach einiger Zeit wieder (zum Beispiel wenn kein Nachschub durch Nahrung erfolgt), ist die Leber jener Ort, aus dem Zucker schnell mobilisiert und ins Blut abgegeben wird. Für Koordination und Aufrechterhaltung eines gesunden Blutzuckers nimmt die Leber somit eine zentrale Rolle ein.

Werden viel zu viele Kohlenhydrate aufgenommen und sind die Glukosespeicher voll, erfolgt die Umwandlung von Glukose in Fett samt anschließender Speicherung im Fettgewebe (z.B. an Bauch, Gesäß, Oberschenkeln). Die Zellen des Fettgewebes sind der einzige Ort im Körper, wo überschüssiger Zucker unbegrenzt gespeichert werden kann. Kurzfristig bedeutet diese Option eine wichtige Entlastung für den Blutkreislauf. Langfristig bedeuten hohe Fetteinlagerungen allerdings eine Belastung für den gesamten Organismus – insbesondere dann, wenn sich viel Fett um den Bauch und die inneren Organe anlagert.

Übergewicht kann die Folge einer zu hohen Zufuhr an Kohlenhydraten sein. Es sollte vermieden werden, weil Übergewicht krankmachende Faktoren fördert: dazu zählen insbesondere Insulinresistenz (Unfähigkeit der Zellen, auf Insulin zu reagieren), Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Kohlenhydrate im Überblick

Einfachzucker (Monosaccharide)

  • Glukose (Traubenzucker in Früchten)
  • Fruktose (Fruchtzucker in Früchten)
  • Galaktose (Schleimzucker in Milchprodukten)

Alle Einfachzucker werden von der Dünndarmwand direkt ins Blut aufgenommen

Zweifachzucker (Disaccharide)

  • Saccharose (Haushaltszucker aus Zuckerrohr, Zuckerrüben)
  • Maltose (Malzzucker in keimendem Getreide)
  • Laktose (Milchzucker in Milchprodukten)

Zweifachzucker werden zu Einfachzuckern aufgespalten und dann ins Blut aufgenommen.

Vielfachzucker (Oligosaccharide)

  • Stärken (zB in Getreideerzeugnissen, Kartoffeln, Hülsenfrüchten)

Stärke wird in unzählige Glukoseteilchen aufgespalten und dann ins Blut aufgenommen.

Unverdauliche Kohlenhydrate

Für Menschen unverdauliche Bestandteile pflanzlicher Nahrungsmittel, zum Beispiel Fasern, Schalen, Pektin. Als Ballaststoffe fördern sie unsere Verdauung. Sie liefern aber keine Energie und erhöhen auch nicht den Blutzucker. Beispiele für Oligosaccharide sind Raffinose und Stachyose, Beispiele für Polysacharide sind Stärke und Glykogen. Es gibt auch unverdauliche Kohlenhydrate, die nicht zu Traubenzucker abgebaut werden und keine Energie liefern: in dieser Form sind sie Ballaststoffe, die die Verdauung ankurbeln, den Blutzucker flacher ansteigen lassen und auch die Sättigung verstärken.

Welche Nahrungsmittel enthalten Kohlenhydrate?

Kohlenhydrate sind überwiegend in pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten, besonders im großen Sortiment der Getreidekörne, sowie Obst, einigen Gemüsesorten und Kartoffeln. In tierischen Nahrungsmitteln kommen Kohlenhydrate nur in der Milch und Milchprodukten in höheren Mengen vor.

Nahrungsmittel, die Kohlenhydrate enthalten

  • Getreidekörner und alles, was daraus hergestellt wird, zum Beispiel Mehl, Brot, Brötchen, Nudeln, Grieß, Cornflakes, Haferflocken, Kuchen, Kekse, Reis und Mais. Die Kohlenhydrate liegen hier in Form von Stärke vor. Sie schmecken zwar nicht süß, werden aber im Darm zu Glukose (Traubenzucker) aufgespalten.
  • Kartoffeln zählen zu den wenigen Gemüsen, deren Kohlenhydratgehalt so groß ist, dass die Wirkung mit dem Insulin abgestimmt werden muss. Sie enthalten Stärke. Auch bei Hülsenfrüchten oder Mais ist der Stärkegehalt so groß, dass er unter bestimmten Umständen berechnet werden muss.
  • Alle Früchte und Fruchtsäfte, selbst wenn sie so sauer schmecken wie Grapefruits oder grüne Äpfel. Sie enthalten Traubenzucker und Fruchtzucker.
  • Zucker in jeder Form. Dazu zählen neben dem Traubenzucker auch der weiße Haushaltszucker aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr, brauner Zucker, Sirup und auch der Honig.
  • Milch und viele Milchprodukte wie Joghurt, Kefir, Buttermilch, Dickmilch oder Sauermilch. Das Kohlenhydrat der Milch ist Laktose (Milchzucker). Ausnahmen sind Käse und Quark. Sie enthalten so wenig Kohlenhydrate, dass sie bei der Berechnung des Insulins keine Rolle spielen.

Nahrungsmittel, die keine Kohlenhydrate enthalten

  • Fleisch, Wurst, Schinken
  • Fisch, Meeresfrüchte
  • Eier
  • Käse, Topfen, Sahne
  • Margarine, Öl, Butter

Anteil der Kohlenhydrate pro Portion

Um die Wirkung von Insulin und Nahrung aufeinander abzustimmen, ist es nicht nur wichtig zu wissen, ob Lebensmittel Kohlenhyderate enthalten sondern auch in welcher Höhe. Diese Informationen liefern Broteinheit-Tabellen bzw. Kohlenhydrataustausch-Tabellen.

1 Broteinheit (BE) entspricht der Menge eines Nahrungsmittels, die 10 bis 12 g verwertbare Kohlenhydrate enthält. In den Tabellen sind Broteinheiten für die wichtigsten Grundnahrungsmittel angegeben.

Mehr Infos gibt es unter Lebensmittel in Broteinheiten.

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