Organe

Achtung vor Magenentleerungsstörung bei Diabetes

Aktualisiert am 06.10.2021

Achtung Magenentleerungsstörung bei Diabetes

Magenentleerungsstörungen können bei Diabetes als Folge von einer diabetischen Nervenschädigungen auftreten. Insbesondere dann, wenn Nerven, die für die Koordination der Magenentleerung zuständig sind, geschädigt wurden. Mögliche Folgen davon sind Magenentleerungsstörungen samt entweder zu schneller oder zu langsamer Entleerung des Magens und Verwertung der Nahrung.

Warum kann eine Magenentleerungsstörung ein Problem sein?

Eine Magenentleerungsstörung kann mehrfach zum Problem werden: je nachdem ob es sich um eine schnelle oder um eine langsame Magenentleerungsstörung handelt. Dabei gibt es zwei Hauptformen:

  • Bei einer schnellen Magenentleerung kann es zu Blutzuckerspitzen kommen, weil die Nahrung zu schnell an die Darmabschnitte weitergegeben wird und der Zucker aus der Nahrung entsprechend schneller ins Blut gelangt
  • Bei einer zu langsamen Magenentleerung kann es zu Unterzuckerungen kommen, weil die Nahrung zu langsam an die Darmabschnitte weitergegeben wird und der Zucker umso langsamer ins Blut abgegebgen wird

Bei auffälligen Blutzuckerschwankungen mit Blutzuckerspitzen und/oder Unterzuckerungen scheinbar unbekannter Ursache sollte daher bei der Suche nach der Ursache auch die Möglichkeit einer diabetischen Magenentleerungsstörung in Betracht gezogen werden.

Schnelle Magenentleerungsstörung

Bei einer schnellen Magenentleerungsstörung kann es zu einem sehr raschen Anstieg des Blutzuckerspiegels nach dem Essen kommen, wenn der Inhalt sehr schnell entleert wird. Besonders, wenn Kohlenhydrate gegessen wurden, kann das zu einem schnellen und starken Anstieg des Blutzuckerspiegels zur Folge haben. Zusätzlich kann es zu Verdauungsbeschwerden kommen.


Was sind rasch resorbierbare Kohlenhydrate? Da sind Kohlenhydrate, die schnell verwertet werden und den Blutzuckerspiegel schnell erhöhen. Beispiele für rasch resorbierbare Kohlenhyerate sind Produkte aus Weißmehl sowie Säfte, Marmeladen, Honig und Süßigkeiten.


Was kann bei zu schneller Magenentleerung helfen?

Laut Empfehlung der Ärzteleitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft kann Folgendes helfen:

Zuckerreiche, rasch resorbiere Ernährung vermeiden Auch wenn es schwer fällt: bei einer beschleunigten Magenentleerung sollte auf rasch resorbierbare, schnell verdauliche Kohlenhydrate verzichtet werden. Zusätzlich kann es helfen, die Ernährung – nach ärztlicher Absprache – auf mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag aufzuteilen und Zucker generell eher zu meiden.

Ballaststoffreiche Ernährung Diese kann dabei helfen, den Mageninhalt einzudicken und damit die Magenentleerung zu verlangsamen. Dafür hilfreich sind „Quellstoffe“ wie beispielsweise Flohsamenschalen oder Chiasamen.


Empfehlung: Bitte immer gemeinsam mit dem Arzt eine Ernährungsumstellung vornehmen um Risiken wie falsche Medikamentenwirksamkeit, Überzuckerungen und Unterzuckerungen zu vermeiden!


Langsame Magenentleerungsstörung

Bei einer langsamen Magenentleerungsstörung ist das Gegenteil der Fall. Es kommt zu einer verlangsamten Entleerung der aufgenommenen Nahrung im Magen.

Wenn sich der Magen verzögert entleert, wird das in der Fachsprache „diabetische Gastroparese“ genannt. Bei dieser Erkrankung besteht die Gefahr, dass Nahrung nicht rechtzeitig in den Darm gelangt und insgesamt zu langsam verdaut wird. Dies kann schwere Unterzuckerungen zur Folge haben.

Was kann bei zu langsamer Magenentleerung helfen?

Laut Empfehlung der Ärzteleitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft kann Foglendes helfen:

Gründlich kauen Der Magen besitzt eine Rerservoirfunktion und speichert als solches das aufgenommene Essen für einige Zeit, und im Magen erfolgt die Verdauung von Eiweiß sowie Zerkleinerung der Nahrung. Je besser die Nahrung gekaut und damit zerkleinert wurde, desto weniger muss der Magen arbeuiten und desto schneller sollte die Magenentleerung erfolgen.

Nach jeder Mahlzeit zumindest eine halbe Stunde in aufrechter Körperhaltung verweilen Die aufrechte Körperhaltung kann dabei helfen, dass Nahrung im Magen nicht zu lange „liegen“ bleibt und schneller weitergegeben wird.

Nach dem Essen langsam bewegen Der Grund ist, weil moderate, leichte Bewegung dabei helfen kann, die Verdauungstätigkeit anzuregen und damit auch die Magentätigkeit samt Magenentleerung zu aktivieren.

Mehrere kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt Diese können dabei unerstützen, den Magen nicht zu stark anzufüllen und Überforderung und Magenträgheit vorzubeugen und entgegenzuwirken.

Eher fettarme Ernährung Fettärmere Nahrung hilft dabei, die Magenentleerung nicht zu lange hinauszuzögern. Denn Fett liegt länger im Magen. Fett erhöht die Verweildauer im Magen, was die Magenentleerung verlangsamen kann. Gut gekaute, leicht verauliche und eher fettarme Ernährung wirkt einer verlangsamten Magenentleerung entgegen.

Ballaststoffmoderate Ernährung Lebensmittel mit vielen Ballaststoffen enthalten Füll- und Quellstoffe, welche die Magenverweildauer erhöhen können. Es macht Sinn, auf eine individuell optimale Ballaststoffzufuhr zu achten. Hier kommt es auf das individuell richtige Maß an. Nicht zu viel, aber nicht zu wenig Ballaststoffe lautet die Devise, wobei die richtige Menge von Mensch zu Mensch variieren kann.

Achtung bei Insulin und verlangsamter Magenentleerung:

Achtung vor Unterzuckerung! Bei verlangsamter Magenentleerung aufgrund von Gastroparese in Kombination mit Insulinspritzen kann es sein, dass die Insulindosis angepasst werden muss. Ansonsten besteht die Gefahr für eine Unterzuckerung. Denn: Bei insulinpflichtigen Menschen mit einer verlangsamten Magenentleerung sollte beachtet werden, dass der Bedarf an Insulin reduziert sein kann und/oder der Spritz-Ess-Abstand angepasst werden muss. Art und Dosierung der Therapie gibt der Arzt vor. Sprechen Sie idealerweise mit Ihrem Arzt darüber.


Welche Behandlungsansätze bietet die Schulmedizin?

Die Schulmedizin bitetet mehrere Behandlungsansätze. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft stellt in den Diabetes-Behandlungs-Leitlinien unter anderem folgende Möglichkeiten vor (Auszug):

Magenanregende Medikamente

Es gibt Medikamente – sogenannte Prokinetika -, welche Magenbewegungen anregen und gegen Übelkeit und Erbrechen wirken. Die Wirkstoffe sind Metoclopramid und Domperidon. Mit demNachteil, dass es zu Gewöhungseffekten kommen kann und die medikamentöse Wirkung dadurch immer mehr nachlässt. Aus diesem Grund werden auch Medikamentenpausen empfohlen. Die Leitlinien empfiehlt, dass wenn eine Ernährungsumstellung sowie allgemein verbessernde Maßnahmen nicht ausreichen, sollten Metoclopramid und Domperidon unter Abwägung des Nutzen-Risiko-Profils für wenige Wochen eingesetzt werden können.

Magenschrittmacher

Bei einer stark ausgeprägten Magenlähmung kann ein Magenschrittmacher in Erwägung gezogen werden. Dabei handelt es sich um einen sogenannten gastralen Neurostimulator – das ist ein kleines elektronisches Gerät, das Stromimpulse in den Magen abgibt, und im Rahmen einer OP eingesestzt wird. In vielen – wenn auch nicht allen – Fällen kann der Schrittmacher die Magenentleerung beschleunigen. Laut Leitlinie sollte der Einsatz eines Magenschrittmachers aber erst angedacht werden, wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind.

Künstliche Ernährung 

Für den Fall, dass alle bisherigen Therapiemölichkeit nicht erfolgreich waren und die Beschwerden von hoher Intensität sind, kann laut Leitlinie die Gabe von künstlicher Ernährung angedacht werden. Zu diesem Zweck wird eine Sonde in den Verdauungstrakt eingesetzt (enterale Ernährung). Eine weitere Möglichkeit ist die Nährlösung über die Vene zu verabreichen (parenterale Ernährung), wobei diese meist im Notfall zur Anwendung kommt. 


Fazit

Magenentleerungsstörungen können bei Diabetes Typ 2 vorkommen, wenn das Nervensystem – welches die Magentätigkeit reguliert – beeinträchtigt ist. Das kann passieren, wenn die Blutzuckereinstellung dauerhaft ungünstig ist.

Für eine natürliche Verbesserung der Situation ist es wichtig, die Ursache für die Schädigung zu finden und zu vermeiden. Natürliche Therapieoptionen helfen dabei, das Fortschreiten der krankhaften Prozesse zu hemmen und die Genesung zu fördern.

Je besser Blutzucker, Blutfette, Blutdruck und Gewicht eingestellt sind, desto besser sind die Chancen für eine natürliche Verbesserung der Situation samt möglichst natürlicher Normalisierung der Verdauungsfunktion.


Quelle:

Leitlinien und Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft




Mehr zum Thema