Ernährung

Proteine und Diabetes

Aktualisiert am 27.07.2018

Proteine und Diabetes

Proteine (Eiweiß) sind unverzichtbar. Denn der menschliche Körper besteht zu großen Teilen aus Eiweiß. Körpereigene Strukturen sind häufigen Auf- und Umbauprozessen unterworfen, weshalb Proteine regelmäßig nachgeliefert werden muss. Das geschieht über die Nahrung. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass körpereigene Eiweißstrukturen gut erhalten werden.

Aufgaben der Proteine

Proteine übernehmen eine Vielzahl an Aufgaben. Sie sind Bestandteile von Muskulatur, Haut, Haaren, Nägeln, Knochen und Organen. Darüber hinaus fungieren sie als Ausgangsubstanz für die Bildung von Hormonen, Enzymen und Immunkörpern. Proteine sind auch am Wachstum und an der Blutbildung beteiligt. Wie Kohlenhydrate und Fette, können auch Proteine für die Energiegewinnung herangezogen werden.

Richtwerte pro Tag: die empfohlene Menge liegt zwischen 10 und 20 % der Gesamtenergiezufuhr. Im Gegensatz zu Fetten und Kohlenhydraten kann Eiweiß kaum gespeichert werden, weshalb der Körper auf eine ausreichende und regelmäßige Zufuhr angewiesen ist.

Welche Nahrungsmittel enthalten Protein?

Proteine sind sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten. Pflanzliches Protein ist häufig an Kohlenhydrate gebunden,  tierisches Eiweiß ist überwiegend an Fett und Cholesterin gebunden.

Pflanzliche Proteinlieferanten

  • Linsen
  • Sojabohnen
  • Bohnen
  • Erbsen
  • Lupinen
  • Getreide
  • Getreideerzeugnisse (Gebäck, Teigwaren)
  • Reis
  • Kartoffeln
  • Obst und Gemüse (in sehr kleinen Mengen)

 

Tierische Proteinlieferanten

  • Milch
  • Milchprodukte
  • Wurst
  • Fisch
  • Fleisch

Auf die biologische Wertigkeit achten 

Da die Körperzellen ständig erneuert werden und diese zu großen Teilen aus Proteinen zusammengesetzt sind, ist der Organismus auf die regelmäßige Zufuhr an Eiweiß angewiesen. Entscheidend ist nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität des Proteins. Von besonderer Bedeutung sind jene Aminosäuren, die der Körper für den Aufbau eigener Strukturen benötigt, aber nicht selbst bilden kann. Essenzielle Aminosäuren müssen daher über die Nahrung zugeführt  werden. Ein Maß für die Qualität von Eiweiß ist die biologische Wertigkeit: sie gibt an, wie viel Gramm Körperprotein aus 100 g Nahrungsprotein gebildet werden können. Je mehr körpereigenes Eiweiß aus Nahrungsprotein hergestellt werden kann, desto höher ist seine biologische Wertigkeit.

Eiweißkombinationen 

Prinzipiell gilt tierisches Eiweiß für den menschlichen Körper als wertvoller als pflanzliches Eiweiß, weil es den Eiweißstrukturen des Körpers mehr ähnelt und daher effektiver als Bausubstanz verwendet werden kann. Aber es ist möglich, pflanzliches Eiweiß durch Kombination verschiedener eiweißhaltiger Lebensmittel aufzuwerten, sodass der Körper auch aus pflanzlichem Eiweiß eigene Strukturen optimal aufbauen kann.


Beispiele für hochwertige Eiweißkombinationen:
  • Kartoffeln mit Ei oder Topfen: z.B. Püree, Rösti
  • Getreide mit Hülsenfrüchten: z.B. Linsensuppe mit Brot, Fisolengemüse mit Couscous
  • Mischungen aus Mais (1/3) und Bohnen (2/3): z.B. mexikanischer Eintopf, Chili sin Carne

Auf die richtige Menge achten

Nicht zu viel und nicht zu wenig Protein

Proteinmangel kann zu körperlicher und geistiger Unterentwicklung führen, was in Entwicklungsländern fast immer ein Problem darstellt. In den westlichen Industrieländern ist eher das Gegenteil der Fall: es wird  zu viel Eiweiß aufgenommen. Der Grund ist, weil tierische Nahrung von Natur aus sehr viel Eiweiß enthält. So enthält zum Beispiel eine Portion Fleischfilet im Durchschnitt 50 g Eiweiß, was rund 80 % des täglichen Bedarfs eines erwachsenen Menschen entspricht.

Im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung sollte Eiweiß daher nicht im Mittelpunkt jeder Mahlzeit stehen, sondern eher als Beilage gegessen werden. Alle tierischen Nahrungsmittel enthalten nicht nur Eiweiß, sondern auch verstecktes Fett, Cholesterin und entzündungsfördernde Substanzen. Ein Übermaß an tierischem Eiweiß kann der Gesundheit daher erheblichen Schaden zufügen.

Achtung: Eiweiß und Nierenbelastung

Hohe Eiweißmengen stellen für die Niere eine Belastung dar, weil Eiweiß über die Nieren ausgeschieden werden muss. Zu hohe Eiweißmengen können daher Nierenerkrankungen verursachen und bestehenden Nierenerkrankungen verschärfen. Eine normale bis leicht reduzierte Eiweißzufuhr entlastet hingegen Nieren, was deren Leistungsfähigkeit steigert und das Voranschreiten von Nierenfunktionsstörungen aufhalten oder verlangsamen kann. Mehr Informationen zur Nierengesundheit bei Diabetes gibt es hier.

Achtung: Eiweiß und Blutzuckererhöhung

Eiweißreiche Mahlzeiten führen zu einem vorübergehenden Anstieg der Eiweißkonzentration im Blut. Das übt – ähnlich wie bei einer Unterzuckerung – einen starken Reiz auf die alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse aus, das Hormon Glukagon zu produzieren. Glukagon hat einen blutzuckererhöhenden Effekt und ist der Gegenspieler zum blutzuckersenkenden Hormon Insulin. Ein hoher Glukagonspiegel fördert somit die Zuckerneubildung, und schwächt gleichzeitig die Wirkung des Insulins oder hebt diese ganz auf. Ein Teil des Proteins wird durch Glukagon in der Leber zu Traubenzucker (Glukose) umgebaut, was den Blutzuckeranstieg zusätzlich erhöhen kann. Eine übermäßige Eiweißzufuhr kann daher eine blutzuckersteigende Wirkung ausüben. Ab welcher Menge die Wirkung eintritt, ist allerdings individuell verschieden.

Achtung: tierisches Eiweiß und Problemstoffe

Viele eiweißreiche Lebensmittel tierischer Herkunft enthalten gleichzeitig viel Fett, Cholesterin und Purine. Hohe Mengen an Fett und Cholesterin können die Blutfette erhöhen und die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) vorantreiben, was das Risiko für Gefäß- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Purine erhöhen die Harnsäurewerte, die im auskristallisierten Zustand schmerzhafte Gichtanfälle auslösen können.

Eiweiß sollte daher in Maßen gegessen werden und idealerweise zu hohen Anteilen von pflanzlicher Herkunft sein!

Welchen Einfluss haben Proteine auf den Blutzuckerspiegel in Kombination mit einer Insulintherapie?

Protein hat in normalen Mengen nur geringen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel, weshalb es im Alltag in der Regel nicht berechnet werden muss (Ausnahme: der behandelnde Arzt gibt eine Berechnung vor!). Große Eiweißmengen, die außerhalb ausgewogener Mahlzeiten konsumiert werden, können den Blutzucker hingegen so hoch ansteigen lassen, dass dafür zusätzliches Insulin notwendig werden kann. Die Art der Berechnung/Insulindosierung ist immer individuell und erfolgt im Rahmen des Therapieplans mit dem behandelnden Arzt und/oder Diabetesteam.

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