Bewegung

Bewegung wirkt bei Diabetes wie ein Medikament

Aktualisiert am 25.11.2019

Bewegung wirkt bei Diabetes wie ein Medikament

Regelmäßige Bewegung ist gesund. Das gilt auch bei Diabetes. Denn individuell angepasste Bewegung besitzt therapeutische Wirkung, weshalb individuell angepasste Bewegung zu den unverzichtbaren Behandlungselementen der erfolgreichen Diabetes-Therapie zählt.

Den gesundheitlichen Wert von Sport und Bewegung beweist eine Vielzahl an wissenschaftlichen Studien: eindrucksvolle Zahlen bestätigen, dass sich wichtige Gesundheitswerte wie Gewicht, Blutzucker, Blutfette und Blutdruck durch Sport und Bewegung verbessern und in einigen Fällen sogar zur Gänze normalisieren lassen.

In Zahlen sieht die gesundheitsfördernde Wirkung folgendermaßen aus:

  • Mittleres Training von 3 Mal pro Woche senkt den Blutdruck um 10/5 – das ist mit der Wirkintensität eines blutdrucksenkenden Standardmedikaments vergleichbar
  • Blutfette können um bis zu 50 % abgesenkt werden, wobei die Wirkung umso höher ist je höher die Ausgangswerte waren.
  • Die Wirkung von Insulin an der Zelle (Insulinempfindlichkeit) lässt sich um bis zu 46 % steigern.
  • Bewegung ist eine der wenigen natürlichen Möglichkeiten, um das gute „gefäßputzende“ HDL-Cholesterin zu erhöhen.
  • Weitere Untersuchungen belegen, dass ein Mehrumsatz von 2000 kcal pro Woche das Risiko für Durchblutungsstörungen um 60 % absenkt.
  • Diese günstigen Eigenschaften haben auch Auswirkung auf die Lebenserwartung: die Sterblichkeit reduziert sich um 15 %, was durchschnittlich ein Plus von 3 Jahren bedeutet.
  • Auch die prophylaktische Wirkung lässt sich in Zahlen ausdrücken: in einer Studie erkrankten von 20.000 Ärzten ohne Diabetes aus der Gruppe mit 1 Mal wöchentlicher Bewegung 25 % weniger an Diabetes, und aus der Gruppe mit 3 Mal wöchentlicher Bewegung 30 bis 50 % weniger an Diabetes. Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich auf 5 Jahre und war auf 2 Gruppen aufgeteilt.

Die Zahlen sind insofern beeindruckend, als dass Summe und Intensität der Wirkungen sich mit keinem Medikament vergleichen lassen. Die gemessenen Effekte waren in vielen Fällen umso höher, je schlechter die Ausgangswerte waren. Das schafft kein Medikament allein – und je mehr Medikamente eingenommen werden müssen, desto rapider steigt auch das Risiko für Neben- und Wechselwirkungen. Bewegung zählt daher zu den fixen Behandlungssäulen der diabetischen Therapie!

Wieviel Bewegung ist für die gesundheitlichen Effekte erforderlich?

Bewegung und Sport sind sehr allgemein gehaltene Begriffe. Es stellt sich daher die Frage, wieviel körperliche Aktivität geleistet werden muss, damit sich die therapeutische Wirkung von Sport entfalten kann:

Prinzipiell gilt, dass jeder Schritt zählt und einen Schritt in die richtige Richtung bedeutet. Um die oben genannten positiven Effekte realisieren zu können, gibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Orientierung vor:

Bewegungsempfehlung der WHO

Die Bewegungsempfehlung der WHO lautet, dass jeder Mensch 150 Minuten pro Woche Sport machen sollte. Anteilsmäßig sollte sich die Bewegung aufteilen:

  • 70 % Ausdauer
  • 20 % Geschicklichkeit
  • 10 % Krafttraining

In der Praxis könnte die Bewegungsempfehlung der WHO so aussehen

  • 3 x 20 Minuten pro Woche Ausdauer (z.B. Radfahren, Nordic Walken, Laufen, Tanzen, Schwimmen)
  • 6 – 10 Minuten pro Tag Gymnastikübungen (z.B. Kniebeugen, Liegestützen, Bauchtraining)

Achtung vor Überbelastung!

Wichtig ist, körperliche Überforderung zu vermeiden und situationsangepasst zu trainieren! Dafür sind vor Beginn der Bewegung ärztliche Untersuchungen sinnvoll.

Zu den Standard-Untersuchungen zählen ein Belastungs-EKG, Blutdruckmessung sowie Untersuchungen der Füße.

Tipp! Kraftsport sollte bei Diabetes gemieden werden, wenn ausgeprägter Bluthochdruck, schwere Augenhintergrundveränderungen oder ausgeprägte Nierenschädigungen bestehen. Auch Ausdauersport sollte in diesem Fall nur nach ärztlicher Anordnung betrieben werden.

Wer mit Sport beginnen und den therapeutischen Effekt von Bewegung voll nützen möchte, sollte sich davor einer ärztlichen Untersuchung sowie sportmedizinischen Beratung unterziehen. Auch regelmäßige Verlaufskontrollen sind ratsam. Denn sowohl Unterforderung als auch Überforderung sollten vermieden werden. Profis helfen Ihnen dabei!

Individuell angepasster Sport kann den Ausbruch von Diabetes verhindern oder zumindest lange hinauszögern. Viele gefürchtete Folgeschäden können verhindert werden. Sport und Bewegung zählen daher zu den hochwirksamen Behandlungselementen der diabetischen Therapie!


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