Bewegung

Sport und Insulin

Aktualisiert am 27.07.2018

Sport und Insulin

Sport und Insulin sind bei Diabetes mellitus kein Widerspruch, sondern lassen sich sehr gut kombinieren. Allerdings müssen einige grundlegenden und individuelle Voraussetzungen berücksichtigt werden.

Zunächst ist es wichtig, vor einer Bewegungseinheit genau zu überlegen, um welche Art und welche Intensität an Sport es sich handelt; und Blutzuckerwerte sowie Wirkweise der persönlichen Insulin- und/oder Medikamententherapie genau zu kennen.

Unverzichtbar ist das Wissen über die blutzuckersteigernde Wirkung von Kohlenhydraten und das Wissen über die blutzuckersenkende Wirkung von Insulin.

Auf diese Weise wird es möglich, die positiven Effekte des Sports voll auszunützen und die eigene Gesundheit zu verbessrn, die Insulindosis bei Bedarf anzupassen und insgesamt keine Unterzuckerung zu riskieren.

Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass wir Menschen individuell sind und daher nicht jeder Patient gleich auf Einflussfaktoren reagiert – selbstverständlich ist auch nicht jede Insulintherapie gleich gestaltet ist.

Um in jeder Situation die richtige Maßnahme setzen zu können, ist es daher sinnvoll vor, während und nach der sportliche Betätigung einige Punkte zu berücksichtigen:

Fragen und Antworten vor dem Sport 

  • Welche Sportart möchte ich ausüben?
  • Wie ungewohnt und wie groß wird die Anstrengung sein?
  • Wie ist mein aktueller Blutzuckerwert?
  • Wirkt noch Insulin oder die insulinerhöhende Tablette?

Maßnahmen vor dem Sport

Maßnahmen vor dem Sport bei Insulintherapie

Vor jeder kürzer dauernden körperlichen Belastung sollte folgendes beachtet werden:

  • Pro halbe Stunde Sport vor Beginn des Sports 1 Sport-BE zusätzlich als langwirkende Kohlenhydrate essen!
  • Bei Ausdehnung der Aktivität zusätzlich kurzwirkende BE einplanen!
  • Nach Abschluss bei Bedarf zusätzlich 1 – 2 langwirkende BE essen!
  • Untrainierte sollten 1 – 2 BE mehr essen!
  • Vor dem Sport bestehende niedrige Blutzuckerwerte unter 100 mg/dl mit schnellen BE anheben, bevor es losgeht!
  • Ist die geplante Anstrengung groß, sollten mehr BE gegessen werden!

Ungeplante körperliche Anstrengungen können immer nur durch zusätzliche Kohlenhydrate = BE abgefangen werden!

Zusätzlich muss die Art der Insulintherapie berücksichtigt werden:

Patienten mit konventioneller Insulintherapie sollten vor einer geplanten langandauernden oder ungewohnten Belastung die Menge des Insulins vor und eventuell auch nach der Muskelarbeit verringern. Zusätzlich kann es nötig sein, der Unterzuckerung mit zusätzlichen Sport-BEs vorzubeugen.

Patienten mit intensivierter konventioneller Insulintherapie können vor einer geplanten körperlichen Aktivität im Anschluss an eine Mahlzeit ihr Kurzzeitinsulin reduzieren. Hier muss die jeweilige Wirkungsweise und Wirkdauer des Kurzzeitinsulins berücksichtigt werden. Je nach Art des gespritzten Insulins sollte beachtet werden:

  • Mit Normalinsulin kann weniger Mahlzeiteninsulin gespritzt werden, wenn die Belastung 2 – 3 Stunden nach der Injektion stattfindet
  • Mit Kurzzeit-Analog-Insulin kann weniger Mahlzeiteninsulin gespritzt werden, wenn die Belastung 1 – 2 Stunden nach der Injektion stattfindet.

Mehr über Broteinheiten gibt es hier.

Maßnahmen während des Sports 

Maßnahmen während des Sports bei Insulintherapie

Bei länger andauernden Sporteinheiten ist Folgendes sinnvoll:

  • Während einer Pause zwischendurch den Blutzucker zu messen
  • Im Bedarfsfall Zusatz-BE auch während des Sports zu sich nehmen, je nach Anpassungsplan z.B. 1 – 2 BE pro halbe Stunde

Kommt es während des Sports zu einer Überzuckerung, kann das folgende Ursachen haben:

  • Die letzte Insulindosis wurde zu stark vermindert
  • Bei Insulinmangel schüttet die Leber vermehrt Zucker ins Blut aus, der aber nicht mehr verbraucht werden kann
  • Vor dem Sport wurden zu viele Zusatz-BE gegessen
  • Während des Sports ist es zu einer Unterzuckerung gekommen, der Körper wehrt sich und stellt übermäßig viel Zucker bereit (Gegenregulation – Zucker aus der Leber)
  • Bei extremer körperlicher Belastung werden Hormone ausgeschüttet, die auch nach dem Sport den Blutzucker ansteigen lassen (z.B. Adrenalin, Glukagon, Cortisol, somatotropes Hormon = STH)

Maßnahmen nach dem Sport 

Maßnahmen nach dem Sport bei Insulintherapie

Der Körper schüttet während dem Sport seine Glukosevorräte aus, die er nach dem Sport wieder auffüllen muss. Dieser Vorgang kann bis zu 14 Stunden nach Beendigung der Aktivität dauern, denn die Zuckerspeicher von Muskulatur und Leber müssen erst wieder befüllt werden. In dieser Zeit besteht daher das Risiko einer Unterzuckerung. Daher folgendes machen:

  • Blutzucker testen!
  • Nach 2 – 3 Stunden nochmals testen und Zusatz-BEs essen!
  • Nachts messen!
  • Eventuell zur Vorbeugung auch nach dem Sport noch Reduktion des Basalinsulins vornehmen!

Anzeichen einer Unterzuckerung

  • Unruhe
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schweißausbrüche
  • Zittern
  • Herzklopfen

Maßnahmen bei länger andauernden Belastungen

Maßnahmen bei länger andauernden Belastungen

Bei länger andauernden Belastungen wie beispielsweise einer Tageswanderung oder Skilanglauf muss die Insulindosis deutlich gesenkt werden. Dabei gilt:

  • Sowohl Langzeit- als auch Kurzzeitinsulin muss reduziert werden – bis zu 50 % weniger Insulin injizieren. Bei einer Tageswanderung kann dabei eventuell ganz auf das Kurzzeitinsulin verzichtet werden und der Insulinbedarf nur mit dem Basalinsulin ausreichend sein.
  • Auch bei deutlicher Verminderung der Insulindosis sollten bei anstrengender körperlicher Verausgabung zusätzliche BEs eingeplant werden.

Die in diesem Artikel gelisteten Maßnahmen dienen als Orientierungshilfe, ersetzen jedoch nicht die persönliche Beratung durch ArztIn bzw. DiabetesberaterIn, weil Empfehlungen aufgrund der individuellen Therapiegegebenheiten und Gesundheitssituation selbstverständlich abweichen können. 

Sport bietet eine Fülle an positiven Auswirkungen auf den Körper, allerdings muss das Unterzuckerungsrisiko stets berücksichtigt werden. Die beste Schutzmaßnahme stellt dabei das regelmäßige Messen dar, also den Blutzucker vor, während und nach dem Sport zu messen sowie stets Traubenzucker griffbereit (nicht in der Kabine, sondern beispielsweise im Handtuch) zu haben. Es ist auch sinnvoll, Kollegen und Trainer darüber zu informieren, was im Notfall zu tun ist.

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