LEBENSSTIL

Vitamin D und Diabetes mellitus Typ 2

Vitamin D hilft bei Diabetes mellitus Typ 2

Vitamin D ist Gegenstand wissenschaftlicher Forschung – auch in Bezug auf Diabetes mellitus Typ 2. Denn das Sonnenhormon wird mit einer Vielzahl an positiven Gesundheitswirkungen in Zusammenhang gebracht: Vitamin D schützt vor Diabetes mellitus Typ 2, Vitamin D verbessert den Therapieerfolg bei Diabetes mellitus Typ 2 und Vitamin D schützt vor diabetischen Folgeerkrankungen.

Was ist Vitamin D?

Vitamin D ist genau genommen kein Vitamin sondern ein Hormon. Vitamine charakterisieren sich dadurch, dass sie vom Körper nicht gebildet werden können und daher über die Nahrung aufgenommen werden müssen. Vitamin D kann vom Körper gebildet werden – allerdings müssen dafür gewisse Voraussetzungen gegeben sein. Die wichtigste Voraussetzung für die Bildung von Vitamin D ist Sonneneinstrahlung in der richtigen Dosierung (nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig). Vitamin D ist bei Diabetes mellitus in vielen Bereichen von großer Bedeutung.


Wie wird Vitamin D durch die Sonne produziert? Unter Einwirkung von UV-B-Strahlung wird aus einer Vorstufe von Vitamin D (Provitamin D3) in der Haut das sogenannte Präv-Vitamin D3 hergestellt. Dieses gelangt über den Blutkreislauf in Leber und Niere, wo es schließlich zum biologisch aktiven Vitamin D (Calcitriol) umgewandelt wird. Trifft Sonne auf die Haut, wird aus Cholesterin die Vorstufe von Vitamin D gebildet, welche in der Leber dann in die biologisch aktive Form des Vitamin D umgewandelt wird.


Wie wurde Vitamin D entdeckt? Vitamin D wurde im Rahmen einer schweren Vitamin-D-Mangel-Situation in der Zeit der Industrialisierung vor rund 100 Jahren entdeckt. Damals gab es keine Filter, die Luft war so verschmutzt, sodass nur wenig bis gar kein Sonnenlicht die dicke Schicht durchdringen konnte. Die Folge war, dass Menschen – insbesondere Kinder – an schweren Knochenverformungen (Rachitits) erkrankten. Dieser Zustand hielt an, bis Lebertran als Gegenmittel entdeckt wurde. Lebertran ist voll mit Vitamin D (was man damals aber noch nicht wusste). Die eigentliche Entdeckung von Vitamin D folgte zwar erst später, aber dessen Wirksamkeit wurde bereits früher genutzt.  


Vitamin D besitzt eine Besonderheit: Vitamin D ist eine Substanz, die der menschliche Körper an vielen Stellen zu vielen Zwecken benötigt. Fast alle Körperzellen besitzen Kontaktstellen für Vitamin D um die Vitamin-D-Wirkung zu entfalten – das ist eine Eigenschaft, welche ziemlich sicher nicht grundlos der Fall ist. Vitamin D gilt daher als Zentralschalter für die Steuerung von lebenswichtigen Körperprozessen, was für die gesamte Gesundheitssituation von großer Bedeutung ist. 


Wie hilft Vitamin D bei Diabetes mellitus Typ 2?

Vitamin D unterstützt die Funktion der Stoffwechselprozesse, die bei Diabetes mellitus Typ 2 besonders wichtig sind. Dazu zählen insbesondere die Erhöhung der Produktion und Wirksamkeit von Insulin sowie wichtige diabetische Stoffwechselfunktionen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Vitamin D bei Diabetes mellitus Typ 2 auf folgende Weisen hilft:

Vitamin D fördert die Anlage von Inselzellen

Die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse sind die inuslinproduzierenden Zellen. Je mehr insulinproduzierende Zellen vorhanden sind, desto mehr Insulin wird produziert. Vitamin D fördert die Analge der Inselzellen und damit eine Verbesserung des Zuckerstoffwechsels.

Vitamin D fördert die körpereigene Produktion von Insulin

Vitamin D fördert die Produktion von ausreichend Insulin. Denn: ist Vitamin D in zufriedenstellender Menge vorhanden, werden die insulinproduzierenden Zellen dazu angeregt, mehr Insulin zu produzieren. Diese Funktion wurde auch auf der Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft thematisiert. Die zufriedenstellende körpereigene Insulinproduktion wirkt dem Insulinmangel – welcher bei Diabetes mellitus Typ 2 zu den Hauptproblemen zählt – direkt entgegen.

Vitamin D fördert die Anlage von Insulinrezeptoren

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Fähigkeit von Vitamin D, Insulinrezeptoren anzulegen. Insulinrezeptoren sind Andockstellen für Insulin, die wie Schlösser von Insulin aufgesperrt werden, damit der Zucker aus dem Blut in die Zellen hineingelangen kann. Je mehr Insulinrezeptoren es gibt, desto besser kann das Insulin wirken und desto besser ist das für die Blutzuckereinstellung.

Vitamin D fördert die Empfindlichkeit der Insulinrezeptoren

Vitamin D fördert auch die Empfindlichkeit der Insulinrezeptoren. Auf diese Weise wird die Ansprechbarkeit der Zellen auf Insulin erhöht, was die Insulinwirksamkeit weiter verbessert. Je empfindlicher die Insulinrezeptoren reagieren, desto besser kann das Insulin wirken und desto besser ist das für eine zufriedenstellende Blutzucker-Regulation.

Vitamin D reduziert Entzündungen

Vitamin D besitzt hohe antientzündliche Wirkung. Das kommt bei Diabetes Typ 2 den insulinproduzierenden Beta-Zellen und den Gefäßwänden zugute und schützt vor überschießenden Immunreaktionen. Auf diese Weise schützt Vitamin D vor entzündungsbedingten Gefäßschädigungen und Autoimmunerkrankungen. Auch durch Übergewicht hervorgerufene Entzündungen werden durch Vitamin D gehemmt. Je weniger Entzündungen bestehen, desto besser ist das für eine gute Blutzuckerregulation und desto niedriger ist das Risiko für diabetische Folgeschäden.

Vitamin D reduziert das metabolische Syndrom 

Vitamin D wirkt dem metabolischen Syndrom direkt entgegen. Das metabolische Syndrom ist charakterisiert durch das gleichzeitige Auftreten von Krankheitsfaktoren wie Bluthochdruck, hohen Blutfettwerten, Übergewicht und erhöhten Blutzuckerwerten. Das metabolische Syndrom sollte vermieden werden, weil es das Risiko für die Entwicklung von diabetischen Folgeerkrankungen erhöht. Die Forschungsliteratur zeigt, dass Vitamin D dem metabolischen Syndrom entgegen wirkt indem es auf Blutdruck, Blutfette, Blutzucker und Gewicht senkend wirkt. Vitamin D ist auch ein Gefäßschutz. Die Gründe dafür sind vielfältig – einen neuen Aspekt zeigt eine Studie der Universiäten von Southhampton und Edinburgh – denn: Sonnenlicht beeinflusst die Menge und Ausschüttung des Botenstoffs Stickoxid in der Haut und dessen Übergang ins Blut. Körpereigenes Stickoxid reguliert wichtige Stoffwechselprozesse für die Gefäßgesundheit, indem es die Gefäße entspannt, überhöhten Blutdruck senkt und somit das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall reduziert. Vitamin-D-Forscher sind der Meinung, dass Stickoxid ein wichtiger (bisher viel zu wenig beachteter) Faktor für die Flexibiliätt und Elastizität der Gefäße ist – Vitamin D fördert dessen Produktion im Körper. 

Vitamin D schüzt vor Diabetes

Vitamin D wird auch prophylaktisch vor der Enstehung eines Diabetes: so fand zum Beispiel die berühmte NHANES-Studie heraus, dass  bei hohen Vitamin D-Spiegeln (ab Werten über 32 ​ng/ml) das Risiko für Typ 2-Diabetes um 75 % niedriger war als bei niedrigen Werten (von unter 14 ​ng/ml). Auch die weltberühmte Nurse´s Health Study an mehr als 100 000 amerikanischen Krankenschwestern bestätigte diesen Zusammenhang, denn nach 20 Jahren Langzeitbeobachtung zeigte die Studie, dass mit besserem Vitamin-D-Spiegel das Risiko für das Entstehen eines Typ 2-Diabetes deutlich abnahm.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass das Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken um das Doppelte erhöht ist, wenn der Vitamin-D-Spiegel zu niedrig ist. Zusätzlich weisen Patienten dann auf häufig erhöhte Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht sowie krankhafte Blutfettwerte auf. Ein günstiger Vitamin-D-Spiegel ist für die Gesundheit daher von essenzieller Bedeutung.

Vitamin D unterstützt bei Diabetes Typ 1

Vitamin D ist auch bei Diabetes mellitus Typ 1 von großer Bedeutung. Im Jahr 2016 veröffentlichte die Goethe-Universität in Frankfurt eine wissenschaftliche Studie, bei der 39 Typ-1-Diabetiker über einen Zeitraum von 3 Moanten mit Vitamin-D-Gaben von 4000 IE behandelt wurden. Dabei wurde eine signifikante Abnahme des Insulinbedarfs sowie eine Verbesserung des HbA1c-WErts festgestellt. Je geringer der Insulinbedarf und je besser die Körperzellen auf das Insulin ansprechen, desto besser funktioniert die Blutzuckereinstellung und desto leichter fällt auch das Halten von gesundem Wohlfühlgewicht.

Wie hoch ist der Bedarf an Vitamin D?

Die Frage nach dem Bedarf ist derzeit Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Das Thema um die exakte Dosierung ist sehr komplex, weil der individuelle Bedarf von mehreren Faktoren abhängt.

Um den Bedarf an Vitamin D zu ermitteln, sollte der individuelle Status an Vitamin D im Labor bestimmt werden. Denn der Bedarf orientiert sich am jeweiligen individuellen Spigel für Vitamin D im Blut – je niedriger dieser ist, desto mehr Vitamin D wird benötigt.

Wichtig ist auch das individuelle Sonnenverhalten, das heißt wann und wie oft, an welchem Ort und auf welche Art und Weise man sich an der Sonne aufhält. Auch Alter, Gewicht und Hauttyp sind für die mengenmäßige Bildung von Vitamin D entschiedend. Je nach Art der Ernährung wird auch über die Nahrung etwas Vitamin D aufgenommen.

Wegen der Vielzahl dieser Faktoren ist die Frage nach dem Vitamin-D-Bedarf sowie der richtigen Dosierung komplex.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt einen Spiegel von 20 ​ng/ml mit 800 Internationalen Einheiten (IE) pro Tag zur Bedarfsdeckung, betont dabei aber gleichzeitig, dass es sich hier mehr um Schätzwerte und nicht unbedingt um klassische Zufuhrempfehlungen handelt. Als Mangel wird ein Spiegel unter 12 ​ng/ml, als ausreichend ein Wert ab 20 ​ng/ml definiert.

Tipp! Vitamin D-Spiegel im Blut bestimmen lassen
Um den individuellen Bedarf zu ermitteln ist es hilfreich, den körpereigenen Vitamin D-Status über einen Bluttest im Labor feststellen zu lassen. Damit lässt sich ein aussagekräftiges Parameter erhalten, auf dessen Basis die benötigte Menge viel exakter definiert werden kann. Die Höhe des Spiegels ist ein guter Indikator für den individuellen Speicherstatus und bisherigen Versorgungszustand. In der Regel wird der Blutwert in ​ng/ml ​angegeben. ​

Spezialisierte Vitamin D-Forscher sind sich größtenteils einig, dass es sich bei der DGE-Schätzung um einen unteren Grenzwert handelt, der bestenfalls schwere Mangelerscheinungen verhindert, jedoch für eine optimale Vitamin D-Versorgung zu gering angesetzt ist.

Einige spezialisierte Forscherteams definieren den Vitamin-D-Status so:

Kleiner als 20 ​ng/ml = schwerer Vitamin D-Mangel
20 – 30 ​ng/ml = Unterversorgung
30 – 60 ​ng/ml = Zufriedenstellende Normwerte
60 – 90​ ng/ml = Hohe Werte
90 – 150 ​ng/ml = Überversorgung
Größer als 150 ​ng/ml = Vitamin D-Intoxikation

Damit man einen Wert von 30 ​ng/ml erreicht, ist schon einiges an Anstrengung notwendig. Auch deshalb, weil 30 ​ng/ml mit den derzeit empfohlenen Werten von 800 IE nicht erzielbar sind. Deshalb ist derzeit die Frage nach der richtigen Dosierung von Vitamin D ein wissenschaftlicher Streitpunkt.

Wieviel Vitamin D wird auf natürliche Weise durch die Sonne prodziert? Die Sommersonne produziert zu Mittag bei einer Dauer von 10 bis 20 Minuten etwa 10 000 bis 20 000 IE Vitamin D. Ohne Probleme oder toxische Nebenwirkungen. Mit so kurzer und intensiver Sonnenbestrahlung wird es auch möglich, Blutwerte von 40 bis 60 ​ng/ml zu erlangen.

Diese natürlichste Form der Vitamin D-Bildung zeigt, warum es für einige Wissenschafter wenig nachvollziehbar ist, warum diverse Fachgesellschaften die Zufuhrempfehlungen so niedrig ansetzen – nämlich um die bis zu 25-fach kleinere Dosis, als die Sommersonne in 20 Minuten natürlich herstellt.

Fazit

Ein ausreichend hoher Vitamin-D-Spiegel ist bei Diabetes mellitus Typ 2 von großer Bedeutung. Denn ein guter Vitamin-D-Status fördert die Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin sowie die ausreichende Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse. Die Optimierung des Vitamin-D-Spiegels kann somit einen wesentlichen Beitrag dafür leisten, dass zufriedenstellende Blutzuckerwerte sowie alle weiteren diabetische Therapieziele auch tatsächlich realisiert werden.


Quellen:

Ärztezeitung – Link: Vitamin D stabilisiert den Blutzucker

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27764529/

Akademie für menschliche Medizin – Dr. Jörg Spitz, Link: Mit Vitamin D gegen Diabetes: Die Rolle des Sonnenhormons für die Entstehung und Behandlung von Diabetes Typ 1 und Typ 2