Blutzucker

Was tun bei Unterzuckerung?

Aktualisiert am 01.03.2019

Was tun bei Unterzuckerung?

Eine Unterzuckerung ist grundsätzlich bis zu einem bestimmten Grad nichts Unnatürliches, da sie im Laufe der körperinternen Blutzuckerregulation bei allen Menschen auftreten kann. Eine normale Unterzuckerung reguliert sich allerdings selbst und ist ungefährlich, weil sie durch körpereigene Regulationsmechanismen schnellstmöglich ausgeglichen wird.

Gefährlich hingegen sind jene Unterzuckerungen, die bei Diabetespatienten durch die Therapie mit Insulin und insulinfreisetzenden Medikamenten verursacht werden können. Dazu zählen Medikamente mit den Wirkstoffen der Sulfonylharnstoffe und Glinide.

Reichen bei einer Unterzuckerung die körpereigenen Gegenmaßnahmen nicht mehr aus und wird kein Zucker von außen zugeführt, so ist eine schwere Unterzuckerung die Folge, auch bekannt als Hypo. Eine Unterzuckerung ist aus zwei Gründen nicht wünschenswert: sobald der Blutzuckerspiegel zu stark abfällt, wird das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Zucker (Glukose) versorgt und es kommt zu Problemen.

Ein ausgeprägte Unterzuckerung kann zu schwerwiegenden Folgen wie zum Beispiel Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, Verletzungen, Schädigungen der Gerhirnzellen und Herzrhytmusstörungen führen. Als wichtigste Regel gilt daher, die persönlichen Unterzuckerungsanzeichen zu kennen und in der akuten Unterzuckerungssituation sofort gegenzusteuern.

Was tun bei Unterzuckerung?

Ist der Körper unterzuckert, wird schnellstmöglich Zucker benötigt! Der Zucker muss schnell resorbierbar sein, das heißt schnell vom Blut aufgenommen werden können. Unterzuckerte Menschen brauchen daher sogenannte schnell verfügbare Kohlenhydrate. Geeignet sind Zucker in Form von beispielsweise Traubenzucker, Orangensaft und Cola.

Besteht eine schwere Unterzuckerung, bei der die betroffene Person nicht mehr ansprechbar ist, müssen sofort Rettung und Notarzt alarmiert werden. Falls Glukagon verfügbar ist, besteht die Möglichkeit dieses unter die Haut zu spritzen.

Was ist zur raschen Anhebung des Blutzuckers geeignet?

  • Traubenzucker
  • Gezuckerte Fruchtsäfte
  • Gezuckerte Limonaden
  • Süßigkeiten, die Sie schnell auflösen können

Tipp! Traubenzucker idealerweise immer bei sich haben, weil Traubenzucker sich sehr schnell auflöst, den Blutzucker schnell erhöht und eine Unterzuckerung schnell beheben kann.

Was eignet sich nicht für die Anhebung des Blutzuckers?

  • Diätgetränke (eignen sich gar nicht)
  • Light-Getränke (eignen sich gar nicht)
  • Diätsüßigkeiten (eignen sich schlecht bis gar nicht)
  • Eiweiß- und fettreiche Speisen (eignen sich eher schlecht)
  • Süßigkeiten, die sich nicht schnell auflösen können oder die man nicht gut kauen kann (eignen sich eher schlecht)

1. Was tun bei leichter Unterzuckerung?

Bei leichter Unterzuckerung sollten schnellstmöglich 1 – 2 rasch wirkende Kohlenhydrate als Traubenzucker oder als Saft eingenommen werden. Falls die nächste Mahlzeit unmittelbar bevorsteht, die Unterzuckerung vielleicht während eines zu langen Spritz-Ess-Abstands aufgetreten ist, sollte 1 BE schnell wirkende Kohlenhydrate eingenommen, und dann unverzüglich das Essen mit blutzuckeranhebenden schnellen Broteinheiten wie Nudeln, Reis oder anderen Beilagen begonnen werden.

Auf jeden Fall sollte die Unterzuckerung bekämpft werden und nicht ohne zusätzliche BEs schnell wirkender Kohlenhydrate bis zum Beginn der Mahlzeit abgewartet werden, weil der Blutzucker bis dahin weiter absinken kann.

1. Die Behandlung sollte mit 1 – 2 rasch wirkenden Kohlenhydraten begonnen werden.

Rasch wirkende Kohlenhydrate sind:
Traubenzucker (2 Blättchen = 1 BE Dextroenergenwürfel)
Fruchtsaft (1/8 l = 1 BE)
Limonade (1/8 l = 1 BE)
Haushaltszucker (3 kleine Stück Würfelzucker = 1 BE)
Flüssigzucker (Jubin – 1 Tube = 2,6 BE, Wellbion – 1 Beutel = 1 BE, verschiedene Größen von Barrybar und Isostar)


2. Um einen raschen Abfall des Blutzuckers zu vermeiden, können zusätzlich 1 – 2 mittellangsam wirkende Kohlenhydrate gegessen werden.

Mittellangsam wirkende Kohlenhydrate sind:
Weißbrot (20 g = 1 BE)
Semmel (1/2 Stück = 1 BE)
Zwieback (2 Stück = 1 BE)
Obst udn Kompotte (z.B. 100 g Apfel = 1 BE)

2. Was tun bei mittelschwerer Unterzuckerung?

Bei mittelschweren Unterzuckerungen sollten 1 – 2 rasch wirkende Kohlenhydrate und zusätzlich 1 bis 2 mittellangsam wirkende Kohlenhydrate als Brot eingenommen werden, um ein erneutes Abrutschen in den Unterzucker zu vermeiden.

3. Was tun bei schwerer Unterzuckerung?

Ist es aufgrund einer schweren Unterzuckerung zu Bewusstlosigkeit gekommen, ist sofort äußere Hilfe und richtiges Handeln erforderlich. In dieser Situation muss Erste Hilfe geleistet und der Notarzt gerufen werden. Angehörige müssen darüber Bescheid wissen, dass bei Bewusstlosigkeit nichts eingeflößt werden darf und auch kein Traubenzucker in die Wangentasche gelegt werden darf. Grund ist, weil aufgrund des fehlenden Schluckreflexes Erstickungsgefahr besteht.

Das ist bei Erste Hilfe zu tun…

  • Atemwege frei machen
  • Stabile Seitenlage
  • Notarzt/Rettung rufen
  • Niemals bei Bewusstlosigkeit versuchen, Flüsigkeit einzuflößen oder Traubenzucker verabreichen
  • Falls vorhanden, Glukagon richtig spritzen

Was ist Glukagon? Glukagon ist ein Hormon, das wie Insulin in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und den Blutzucker aus der Leber ins Blut schleust. Glukagon führt zu einem Blutzuckeranstieg und hat gegenteilige Wirkung von Insulin. Glukagon gibt es in Spritzenform als Bestandteil eines Notfall-Kits, das Patienten mit intensivierter Insulintherapie stets bei sich haben. Es wird in in das Unterhautfettgewebe oder die Muskulatur (z.B. in Oberarm, Gesäß oder Oberschenkel) gespritzt. Nach etwa 10 Minuten sollte der bewusstlose Patient wieder aufwachen. Um einem neuerlichen Abfall des Blutzuckers entgegenzuwirken, sollten nach dem Aufwachen 2 – 4 BE  Kohlenhydrate gegessen werden. Blutzuckerkontrollen sind laufend notwendig. Bei anhaltender Bewusstlosigkeit muss dringend Arzt/Rettung gerufen werden – eine Glukoseinfusion in die Vene ist dann notwendig. Achtung: Glukagon ist nach Alkoholgenuss, intensivem Sport und Fasten unwirksam!! Daher im Zweifelsfall immer Rettung rufen!


Tipps bei Unterzuckerungsgefahr

  • Angehörige, Arbeitskollen und Bekannte über die richtige Hilfestellung bei Unterzuckerung informieren!
  • Diabetikerausweis und Traubenzucker immer mitführen!
  • Jede Unterzuckerung im Tagebuch ausführlich dokumentieren!
  • Bei häufigen und schweren Unterzuckerungen den betreuenden Artzt informieren – z.B. zwecks Optimierung der Therapieeinstellung!

Unterzuckerungen vermeiden

Eine Unterzuckerung ist nie wünschenswert und sollte vermieden werden. Der Vorbeugung gilt daher großes Augenmerk. Kündigt sich eine Unterzuckerung an oder ist es bereits zu einer Unterzuckerung gekommen, ist es wichtig, die Anzeichen zu kennen um sofort richtige Gegenmaßnahmen zu treffen.

Mehr Infos zu den den typischen Anzeichen einer Unterzuckerung gibt es hier…

Anzeichen und Symptome bei Unterzuckerung

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